„Selbst Luder! Böses Vieh!“ schrie das Mädchen auf der Straße, hüpfte auf einem Bein und drohte der Mutter mit ihren kleinen, schmutzigen Fäusten.
Die Gruschina schrie sie an:
„Wart du nur!“ und schloß das Fenster. Dann setzte sie sich ruhig hin, als wäre nichts geschehen und sagte:
„Ach richtig, ich wollte Ihnen eine Neuigkeit erzählen. Ich habe es total vergessen. Beunruhigen Sie sich nicht, teuerste Freundin, es wird nichts aus der Geschichte.“
„Ja, was denn eigentlich?“ fragte Warwara erschreckt, und die Kaffeetasse klirrte in ihrer Hand.
„Wissen Sie, im Gymnasium wurde in die fünfte Klasse ein Schüler aufgenommen, Pjilnikoff mit Namen. Er soll aus Ruban stammen, und man sagt, seine Tante hätte in unserem Kreis ein Gut gekauft.“
„Das weiß ich,“ sagte Warwara, „ich habe ihn gesehen. Er kam mit der Tante zu uns. Er ist so geschniegelt und sieht wie ein Mädchen aus, und wird immerwährend rot.“
„Liebste Warwara Dmitriewna, das ist es ja gerade, wie sollte er nicht wie ein Mädchen aussehen, — es ist ja ein verkleidetes Fräulein!“
„Nein, was Sie sagen!“ rief Warwara.
„Das ist mit Absicht so eingefädelt, um Ardalljon Borisowitsch einzufangen,“ sprach die Gruschina eilig, mit den Händen fuchtelnd und froh erregt, daß sie eine so wichtige Neuigkeit weitergeben konnte. „Wissen Sie, dieses Fräulein hat einen Vetter, ein Waisenkind; der war tatsächlich Schüler in Ruban. Die Mutter des Fräuleins nun ließ ihn aus der Schule austreten und dem Fräulein wurden seine Papiere gegeben, um in unser Gymnasium eintreten zu können. Ist es nicht verdächtig, daß man ihn zu einer Frau in Pension gegeben hat, wo keine andern Schüler sind? Da lebt er so schön für sich, und man dachte wohl, daß die Sache nicht herauskommen wird.“