„Zur Vesper ging ich in die Kirche, sie ist nämlich sehr fromm. Olga Wassiljewna — sag ich — warum haben Sie denn heuer nur einen Pensionär? Da kommen Sie doch nicht auf Ihre Kosten — sage ich. Sie antwortet: wozu brauche ich mehr. Es ist so eine Wirtschaft mit mehreren. Ich sage darauf: aber Sie haben doch früher immer zwei, drei Jungen gehabt. Darauf sie — stellen Sie sich nur vor, liebste Warwara Dmitriewna — ja, sagt sie, sie hätten schon so eine Vereinbarung getroffen, daß Saschenka allein bei ihr leben solle. Sie sind nicht arm — sagt sie —, haben etwas mehr gezahlt; sie fürchten nämlich, daß er mit andern Jungen zusammen verwildern würde. Wie finden Sie das?“
„So ein Pack!“ sagte Warwara aufgebracht. „Haben Sie ihr denn gesagt, daß er ein Mädchen ist?“
„Ich sagte ihr also —, passen Sie nur auf — sage ich — Olga Wassiljewna, daß man Ihnen kein Mädchen für einen Knaben unterschiebt.“
„Und was sagte sie?“
„O, sie dachte, daß ich nur scherze und lachte. Dann sagte ich eindringlicher, — liebste Olga Wassiljewna, sag ich, wissen Sie auch, daß es tatsächlich ein Mädchen sein soll. Aber sie glaubt nicht, — Unsinn — sagt sie — wie soll das ein Mädchen sein; ich bin doch Gott sei Dank nicht blind, sagt sie.“
Diese Geschichte beunruhigte Warwara. Sie war der festen Ueberzeugung, daß es sich so verhielte und daß man ihr ihren Geliebten wegpaschen wolle. Sie hielt es für dringend notwendig, das verkleidete Fräulein so schnell als möglich zu entlarven. Lange berieten sie, wie sich das wohl am besten machen ließe, kamen aber vorläufig zu keinem Entschluß.
Zu Hause verdarb die Geschichte mit den verschwundenen Rosinen endgültig Warwaras Laune.
Als Peredonoff kam, erzählte sie ihm eilig und aufgeregt, daß Klawdja ein Pfund Rosinen gestohlen hätte, es aber nicht gestehen wolle.
„Und sie versucht sich noch herauszureden,“ sagte Warwara gereizt; „vielleicht sagt sie, hat der Herr die Rosinen aufgegessen. Du seiest aus irgend einem Grunde in die Küche gegangen, während sie die Dielen scheuerte, und habest dich dort ungewöhnlich lange aufgehalten.“
„Durchaus nicht lange,“ sagte Peredonoff böse; „ich wusch mir nur die Hände und habe die Rosinen nicht einmal gesehen.“