„Nun, hast du sie gesehen,“ fragte sie.

Darja hörte auf zu singen und sah Ludmilla an. Valerie stützte ihren Kopf auf den Arm, steckte den kleinen Finger vor, neigte den Kopf und versuchte Larissas Lächeln nachzuahmen. Es gelang ihr schlecht, denn sie war schmächtig, subtil, und ihr Lächeln war unruhig. Ludmilla goß sich roten Kirschlikör in ein Gläschen und sagte:

„Dummheiten! Ein echter Bengel wie er sein muß, und er ist sehr sympathisch. Tief brünett, blitzende Augen, dabei unschuldig wie ein neugebornes Kind.“

Und plötzlich lachte sie hell auf. Die Schwestern sahen sie an, und dann lachten alle.

„Ach, es lohnt sich ja gar nicht zu sprechen, das ist so eine von Peredonoffs Verrücktheiten,“ sagte Darja, winkte mit der Hand und dachte dann eine Weile nach. Sie hatte ihre Arme auf den Tisch gestützt und hielt den Kopf gesenkt. „Wollen wir singen,“ sagte sie und begann mit durchdringender Stimme zu singen.

Aus ihrem Geschrei klang eine dumpfe, erzwungene Begeisterung. Hätte man einen Toten unter der Bedingung zum Leben erweckt, daß er immer nur singen dürfe, so hätte er ein ähnliches Geheul angestimmt. Die Schwestern waren schon längst an diese Art Musik gewöhnt; wenn Darja nicht mehr nüchtern war, sang sie immer so, und manchmal fielen die Schwestern ein und schrien mit Absicht recht laut und durchdringend.

„Die ist ins Heulen reingekommen!“ sagte Ludmilla spöttisch.

Nicht etwa, daß es ihr mißfiel, vielmehr wollte sie ihre Erlebnisse erzählen, und die Schwestern sollten zuhören. Darja unterbrach ihren Gesang und schrie sie an:

„Was geht es dich an, ich stör’ dich nicht.“

Und dann sang sie weiter gerade von derselben Stelle an, wo sie stehen geblieben war. Larissa sagte freundlich: