Bist so fein und säuberlich,

Geb dir einen Messerstich.

Brauche keinen stolzen Herrn —

Hab ein armes Blut so gern.“

Darja sang und tanzte, und ihre Augen starrten unbeweglich und schienen, wie der tote Mond, rings um sie Kreise zu ziehen. Ludmilla lachte aus vollem Hals, aber es war ihr unendlich schwer ums Herz, und sie zitterte vor Aufregung. War es verhaltene Freude oder die Wirkung des starken und süßen Likörs? Valerie lachte leise, — ihr Lachen klang gläsern —, und blickte neidisch auf die Schwestern: auch sie wäre gern lustig gewesen, und es war ihr doch gar nicht lustig zumute, — sie dachte, das sei so, weil sie die Jüngste, ein Nesthäkchen, ein Nachzügler sei, und darum wäre sie schwächlich und unglücklich. Und sie lachte so als müßte sie gleich weinen.

Larissa sah sie an und zwinkerte ihr zu, und da wurde Valerie plötzlich fröhlich und guter Dinge. Larissa stand auf, drehte die Schultern und im Nu drehten sich die vier Schwestern in tollem Wirbel bewußtloser Freude, plötzlich von toller, ausgelassener Lust ergriffen, und Darja sang dazu ein Tanzlied nach dem andern, eins dreister und frecher als das andere. Die Schwestern waren jung und schön — und ihre Stimmen klangen wild und hell; — die Hexen eines verzauberten Berges hätten ihre Freude an diesem Reigen gehabt.

Die ganze Nacht über hatte Ludmilla heiße, sinnliche Träume.

Bald träumte sie, sie läge in einem stark überheizten Zimmer, ihre Bettdecke gleitet auf den Fußboden und ihr fieberheißer Körper liegt nackt da, — und eine gleißende, ungeheure Schlange kriecht in das Gemach, kommt näher, näher, gleitet längs dem Holz in ihr Bett und umwindet ihre nackten, wunderschönen Beine ...

Dann wieder träumte sie von einem See; — und es war eine schwüle Sommernacht, schwarze Gewitterwolken krochen erdrückend langsam über den Himmel, — und sie lag nackt am Ufer des Sees und hatte einen glatten, goldnen Stirnreif im Haar. Es roch nach warmem, stehendem Wasser, nach Tang und stark duftendem Heu; und auf dem dunklen, unheimlich ruhigen Wasserspiegel schwamm majestätisch ein weißer, gewaltiger, königlich schöner Schwan. Er schlug das Wasser mit den Flügeln, zischte laut, kam heran und umfaßte sie, — es war so süß, so unsagbar wunderlich und tief ...

Und die Schlange und der Schwan, beide beugten ihre Gesichter über das ihre, und es war Saschas Gesicht, aber so bleich, so bleich mit seinen dunklen traurigen Augen, und die schwarzen Wimpern verdeckten eifersüchtig die Schönheit seines wunderbaren Blicks und sanken tief und schwer herab. Ihr schauderte ...