Dann träumte Ludmilla von einem prachtvollen Palast mit erdrückend niedrigen Gewölben, — starke, schöne nackte Männer drängten sich in den Hallen, aber herrlicher als sie alle war Sascha. Sie saß hoch auf einem Thron, und die nackten Männer kamen der Reihe nach und schlugen einander mit scharfen Peitschen. Und als man Sascha vor den Thron legte mit dem Kopf zu ihr gekehrt und als man ihn hart schlug, da lachte er hell und weinte, — und sie lachte auch, wie man manchmal im Traume lacht, wenn das Herz unruhig schlägt, — dann lacht man lange, ohne Aufhören, und es ist das Lachen des Selbstvergessens und des Todes ...

Als Ludmilla am Morgen nach diesen Träumen erwachte, fühlte sie, daß sie leidenschaftlich in Sascha verliebt war. Ein unbezwingliches Verlangen ergriff sie, zu ihm zu gehen, aber der Gedanke ihn in Kleidern zu sehen, war ihr unerträglich. Wie dumm, daß die Knaben nicht nackt herumlaufen! Wenigstens barfuß, wie die Gassenbuben im Sommer! Ludmilla sah sie gerne und nur deswegen, weil sie barfuß waren und weil auch ihre Beine manchmal bis hoch hinauf entblößt waren.

„Als wäre es eine Schande, einen Körper zu haben —,“ dachte sie, „daß sogar die Knaben ihn verdecken müssen.“

XV

Wolodin gab regelmäßig seinen Unterricht im Hause des Fräulein Adamenko. Seine Hoffnungen, das Fräulein würde ihn gelegentlich zum Kaffee einladen, verwirklichten sich nicht. Er wurde stets gleich nach seiner Ankunft in die Stube geleitet, die für den Unterricht im Tischlern hergerichtet worden war. Mischa hatte eine Schürze um und wartete in der Regel, an der Hobelbank stehend, auf seinen Lehrer, nachdem er alles für die Stunde Erforderliche in Ordnung gebracht hatte. Er tat gehorsam alles, was Wolodin von ihm verlangte, aber er war nie recht bei der Sache. Um weniger arbeiten zu müssen, versuchte er bisweilen mit Wolodin zu plaudern. Aber Wolodin ging nicht darauf ein, denn er wollte gewissenhaft sein. Er sagte:

„Wollen wir mal erst zwei Stunden arbeiten, dann bleibt uns noch Zeit genug zum Plaudern. Dann — soviel Sie wollen, jetzt — an die Arbeit: die Arbeit steht an erster Stelle.“

Mischa seufzte ein wenig und arbeitete. Wenn aber die Stunde um war, so hatte er keine Lust mehr zu plaudern und schützte Schulaufgaben vor.