„Nein, du sollst ihn nicht heiraten; was soll denn aus mir werden?“

Wolodin sagte mit vor Aufregung zitternder Stimme:

„Es wundert mich, Nadeschda Wassiljewna, daß Sie Ihren kleinen Bruder um Erlaubnis bitten, er ist doch sozusagen noch ein unmündiges Kind. Und wäre er auch erwachsen, so könnten Sie auch in diesem Fall sich selbständig entscheiden. Der Umstand aber, Nadeschda Wassiljewna, daß Sie ihn sogar jetzt um Erlaubnis bitten, verwundert mich nicht nur, sondern setzt mich auch in Erstaunen.“

„Das ist doch geradezu komisch, so einen Bengel um Erlaubnis zu bitten,“ sagte Peredonoff verdrießlich.

„Wen sollte ich sonst bitten? Der Tante ist es gleichgültig; ihn muß ich aber erst noch erziehen, wie sollte ich Sie also heiraten können? Sie könnten ihn zum Beispiel zu streng behandeln. Nicht wahr, Mischa, du fürchtest dich doch vor diesem harten Mann?“

„Nein,“ sagte Mischa und schielte mit einem Auge aus dem Taschentuch hervor, „ich fürchte mich gar nicht vor ihm. Er darf mir nichts tun. Ich fürchte nur, daß Pawel Wassiljewitsch mich zu sehr verwöhnen wird und dir auch nicht erlauben wird, mich in den Winkel zu stellen.“

„Glauben Sie mir, Nadeschda Wassiljewna,“ sagte Wolodin und legte die Hand ans Herz, „ich werde ihn nicht verwöhnen. Ich denke so: einen Jungen soll man überhaupt nicht verwöhnen! Ist er satt und sauber gekleidet, so genügt das. Von Verwöhnen keine Spur. Ich kann ihn doch auch in den Winkel stellen und würde nicht daran denken, ihn zu verwöhnen. Ich kann noch mehr. Sie sind gewissermaßen eine Jungfrau, d. h. ein Fräulein, da ist es Ihnen naturgemäß unbequem, ich kann aber auch mitunter das Stöcklein zu Hilfe nehmen.“

„Jetzt wollen mich beide in den Winkel stellen,“ sagte Mischa weinerlich und benutzte wieder sein Taschentuch. „Seid Ihr so! und noch dazu mit dem Stöckchen! nein, das paßt mir gar nicht. Nein, nein, du darfst ihn nicht heiraten.“

„Da hören Sie es doch, ich kann beim besten Willen nicht,“ sagte Nadeschda Wassiljewna.

„Ihr Vorgehen kommt mir äußerst merkwürdig vor,“ sagte Wolodin, „ich komme Ihnen mit ganzem Herzen entgegen, ich kann wohl sagen, mit flammendem Herzen und Sie belieben so nebenbei Ihres Bruders wegen „nein“ zu sagen. Sie tun es Ihres Bruders wegen, eine andere der Schwester wegen, eine dritte gar weil sie einen Neffen hat und dann, Gott weiß, welcher Verwandten wegen, und so wird keine einzige heiraten wollen, auf diese Weise wird das Menschengeschlecht ganz aussterben.“