„Gott mag sie richten! Warum hat sie mich beleidigt? Sie wartet wahrscheinlich auf einen Aristokraten und überlegt gar nicht, daß es auch unter den Aristokraten schlimme Leute gibt; sie wird einen heiraten, der sie unglücklich machen wird, und ein schlichter braver Mensch hätte sie so glücklich machen können. Ich werde in die Kirche gehen und eine Kerze für ihr Seelenheil stiften und für sie beten: füge es, Vater im Himmel, daß sie einen Trunkenbold heiratet, der sie prügelt, der bankerott macht und sie dann sitzen läßt. Dann wird sie sich meiner erinnern, aber es wird zu spät sein. Sie wird sich die Tränen aus den Augen reiben und sagen: dumm war ich, dem Pawel Wassiljewitsch einen Korb zu geben, er war ein prächtiger Mensch.“

Seine eignen Worte rührten ihn; er mußte weinen und trocknete mit dem Handrücken die Tränen, die aus seinen vorstehenden, schafigen Augen quollen.

„Schlag ihr in der Nacht die Fensterscheiben ein!“ riet Peredonoff.

„Ach nein, Gott sei mit ihr,“ sagte Wolodin traurig, „man könnte mich ertappen. Und dieser Satansbengel Gott erbarme dich, was habe ich ihm getan, daß er mir so den Weg vertritt. Habe ich mir nicht alle erdenkliche Mühe mit ihm gegeben, und er — Sie haben es ja selber erlebt — macht solche Sachen. Was ist das für eine Kreatur, was soll aus ihm werden, erbarmen Sie sich, sagen Sie doch?“

„Ja,“ sagte Peredonoff böse, „nicht einmal mit diesem Bengel konntest du fertig werden. Schöner Freier das!“

„Warum denn nicht,“ antwortete Wolodin, „natürlich ein Freier. Ich finde schon eine andre Braut. Sie soll nicht glauben, daß ich um sie trauern werde.“

„Ja, ein Freier,“ neckte Peredonoff, „noch dazu mit einer Krawatte. Wieviel Körbe hast du denn schon auf dem Buckel, Freier du!“

„Bin ich der Freier, so bist du der Brautwerber,“ sagte Wolodin überlegen, „du selber machtest mir ja Hoffnungen, aber die Braut hast du mir nicht verschafft; schöner Brautwerber das!“

So neckten sie sich gegenseitig; jeder versuchte dem anderen zuvorzukommen und gab sich den Anschein, als handle es sich um die wichtigste Sache von der Welt.

Nadeschda Wassiljewna hatte die Gäste hinausbegleitet und kehrte ins Gastzimmer zurück. Mischa wälzte sich auf dem Sofa und lachte. Die Schwester packte ihn an den Schultern, zog ihn an sich und sagte: