Ihre Gedanken waren immer bei ihm.

Am Sonntag bat Ludmilla ihre Schwestern, sie möchten die Kokowkina aus der Kirche abholen und recht lange aufhalten. Sie wollte mit Sascha allein sein, und ging darum nicht zur Kirche. „Sagt ihr, ich hätte mich verschlafen,“ trug sie den Schwestern auf.

Diese lachten über den Streich, waren aber natürlich mit allem einverstanden. Sie vertrugen sich überhaupt gut. Es konnte ihnen nur gelegen kommen, wenn Ludmilla sich mit dem Jungen abgab, denn so blieben die wirklichen Freier ihnen allein.

Sie taten, wie sie versprochen hatten, — und baten die Kokowkina nach dem Gottesdienst zu sich.

Unterdessen hatte sich Ludmilla ganz angekleidet. Sie trug ein hübsches, fröhliches Kleidchen und hatte sich mit angenehmem, weichem Flieder parfumiert. In die eine Tasche steckte sie ein noch nicht angebrochenes Odeurfläschchen, in die andere einen kleinen Zerstäuber; dann stellte sie sich hinter den Vorhang an ein Fenster im Salon, um von hier zu beobachten, ob die Kokowkina auch wirklich käme. Schon früher hatte sie beschlossen Odeur mitzunehmen, um den Gymnasiasten zu parfumieren; er sollte nicht immer nach ekligem Latein und nach Tinte und nach der Schule überhaupt riechen. Ludmilla liebte Parfums. Sie verschrieb sie sich aus Petersburg und brauchte sie oft und gerne. Sie liebte duftende Blumen. Ihr Zimmer strömte immer irgend einen Wohlgeruch aus; entweder roch es nach Blumen, oder nach Odeurs, oder nach Fichtenzweigen und frischem Birkengrün.

Da kamen die Schwestern und die Kokowkina mit ihnen.

Fröhlich lief Ludmilla zur Küche hinaus, durch den Gemüsegarten, durch das Pförtchen und von dort weiter durch ein Nebengäßchen, — um von der Kokowkina nicht gesehen zu werden. Sie lächelte schelmisch, während sie eilig zum Hause der Kokowkina ging und fuchtelte vergnügt mit ihrem weißen Sonnenschirm. Sie war froh über das schöne, warme Herbstwetter, und es schien, als verbreite sich ihre Fröhlichkeit überall wohin sie kam.

Das Dienstmädchen der Kokowkina öffnete ihr die Tür und meldete, die gnädige Frau wäre nicht zu Hause. Ludmilla lachte laut und scherzte mit dem rotbackigen Ding.

„Vielleicht ist es gar nicht wahr,“ sagte sie, „vielleicht versteckt sich die gnädige Frau vor mir.“

„Hi, hi, warum sollte sie sich verstecken!“ grinste das Mädchen, „gehen Sie doch ins Wohnzimmer und schauen Sie nach, wenn Sie mir nicht glauben.“