Sascha lachte verlegen und lief davon. Die Kokowkina aber dachte bei sich, die Rutiloffschen Mädchen wären ganz besonders liebenswürdige junge Damen, alt und jung verständen sie zu bezaubern.
Gleich am Morgen des nächsten Tages freute sich Sascha beim Gedanken daran, ausgehen zu dürfen. Ungeduldig wartete er auf das Mittagessen. Nach dem Essen bat er ganz rot vor Verlegenheit, bis sieben Uhr zu Rutiloffs gehen zu dürfen. Die Kokowkina war erstaunt, ließ ihn aber gehen.
Sascha lief fröhlich davon. Er hatte sich sorgfältig gekämmt und sogar Pomade in die Haare getan. Er freute sich sehr und war ein wenig aufgeregt, als hätte er etwas Bedeutungsvolles, doch Schönes vor. Besonders angenehm war ihm der Gedanke daß er gleich bei der Begrüßung Ludmillas Hand küssen würde und sie ihn auf die Stirn; und dann, wenn er wieder nach Hause müßte, würden sie sich wieder küssen. Es ließ sich so wunderbar von Ludmillas feinen, schlanken Händen träumen.
Alle drei Schwestern begrüßten Sascha schon im Vorhause. Sie pflegten gerne am Fenster zu sitzen und auf die Straße zu sehen. So kam es, daß sie ihn schon von weitem kommen sahen. In stürmischer Fröhlichkeit umringten ihn die drei lustigen, eleganten, laut durcheinandersprechenden Damen, — und er fühlte sich gleich wohl in ihrer Mitte.
„Da ist er ja — der geheimnisvolle, junge Mann!“ rief Ludmilla fröhlich.
Sascha küßte ihr die Hand; er tat es sehr gewandt und mit sichtlichem Vergnügen. Gleich in eins küßte er auch den beiden andern Schwestern die Hand, — er konnte sie doch nicht übergehen, — und fand, daß auch dieses nicht unangenehm wäre, um so mehr, als ihn alle drei auf die Wange küßten; — Darja tat es laut und gleichmütig, als hätte sie ein Brett vor sich; Valerie küßte zart, — sie hatte die Augen gesenkt — es waren schlaue Aeuglein, — kicherte verschämt und berührte kaum mit ihren durstigen, fröhlichen Lippen die Wange, — ihr Kuß schwebte nieder wie eine zarte, duftige Apfelblüte; — Ludmilla küßte ihn glücklich, fröhlich und fest auf die Wange.
„Das ist mein Gast,“ erklärte sie mit Bestimmtheit und führte Sascha in ihr Zimmer.
Darja ärgerte sich darüber.
„Ist es dein Gast, so küß ihn auch allein,“ rief sie böse. „Hast da einen schönen Schatz gefunden! Keiner macht ihn dir streitig.“
Valerie sagte nichts, sie lächelte nur, — was konnte es für ein Vergnügen sein sich mit einem dummen Jungen zu unterhalten! Er konnte ja nichts begreifen?