Ludmilla ließ das stark gerötete Ohr los, zog den Jungen zärtlich heran, nahm ihn auf den Schoß und sagte:
„Merk auf, — im Zyklamen lebt ein dreifacher Hauch, — das arme Blümlein duftet nach süßer Ambrosia, — das ist für die fleißigen Bienen. Du weißt doch, man nennt’s auch Schweinsbrod.“
„Schweinsbrod,“ wiederholte Sascha und lachte, „wie komisch!“
„Lach nicht, Wildfang,“ sagte Ludmilla, packte ihn am andern Ohr und fuhr fort: „Süße Ambrosia, über ihr summen die Bienen; — das ist des Blümleins Freude. Dann riecht es ganz zart nach Vanille; das ist aber nicht für die Bienen, sondern es ist für solche Dinge, die wir erträumen. Dies ist sein Wunsch: eine Blume und das Gold der Sonne über ihr. Und der dritte Hauch ist dieser: es ist der zärtliche, süße Duft des Körpers. Er ist für jene da, welche lieben, und dieses ist seine Liebe: das arme Blümlein in der glühenden Hitze des Mittags. Biene, Sonne und Glut, — verstehst du mich, Liebster?“
Sascha nickte schweigend. Sein ganzes Gesicht flammte, und die langen, dunkeln Wimpern zitterten. Ludmilla blickte träumend in die Ferne, ihre Wangen waren leicht gerötet. Sie fuhr fort:
„Das zarte und sonnige Zyklamen erfreut uns; es erregt in uns ein Verlangen, welches süß ist und davor wir erschrecken; es macht unser Blut flammend. Begreif es wohl, mein Sonnenprinz, es ist so tief, und süß, und weh; es ist, daß man weinen möchte. Begreifst du das? So ist dieses Blümlein.“
Und ihre Lippen neigten sich zu einem langen Kuß auf Saschas Mund.
Ludmilla blickte nachdenklich vor sich hin. Plötzlich zuckte ein schelmisches Lächeln um ihre Lippen. Ganz leise stieß sie Sascha fort und fragte:
„Liebst du rote Rosen?“
Sascha seufzte tief, öffnete die Augen, lächelte und flüsterte: