Nikolai Michailowitsch Gudajewskji war nicht groß von Wuchs, kräftig gebaut, schwarzhaarig, mit einer Glatze auf dem Kopf, und trug einen langen, schwarzen Bart. Seine Bewegungen waren stets lebhaft und überraschend: er ging nicht, man konnte fast sagen: er kam wie ein Sperling angeschwirrt, und weder aus seinem Gesichtsausdruck noch aus seiner jeweiligen Stellung ließ sich entnehmen, was er im allernächsten Augenblick tun würde. So kam es z. B. vor, daß er mitten in einem Geschäftsgespräch ein Bein in die Luft schnellte, was weniger komisch wirkte, als daß es durch seine absolute Grundlosigkeit verblüffte. Zu Hause, oder wenn er zu Besuch war, pflegte er lange Zeit ganz ruhig zu sitzen, sprang dann plötzlich und ohne jeden ersichtlichen Grund auf, und ging eilig im Zimmer auf und ab, schrie, und stampfte mit dem Fuß. Wenn er auf der Straße ging, so kam es vor, daß er plötzlich stehen blieb, niederhuckte, sich setzte, oder einen Ausfall machte, oder sonst eine turnerische Bewegung ausführte, und dann wieder weiterging. Er liebte es in seinen Aktenstücken und Zeugnissen komische Randbemerkungen zu machen: z. B. statt einfach — Iwan Iwanowitsch Iwanoff wohnhaft am Moskauer Platz, im Hause der Frau Jermiloff — zu schreiben, wußte er von Iwan Iwanowitsch Iwanoff, welcher am Bazarplatze wohnhaft ist, also in jenem Stadtteil, der einem das Leben durch unerträglichen Gestank unmöglich macht usw. — zu berichten; mitunter erinnerte er daran, daß jener Mann, dessen Unterschrift er hierdurch bestätige, Besitzer von so und so viel Hühnern und Gänsen wäre.
Julia Petrowna Gudajewskaja war eine hochaufgeschossene, magere, dürre Person; sie war sehr leidenschaftlich, sehr sentimental und erinnerte in ihren Bewegungen, trotz der so ganz anders gearteten Größenverhältnisse, an ihren Mann: auch ihre Bewegungen waren unvermittelt, und gar nicht zu vergleichen mit den Bewegungen gewöhnlicher Leute. Sie pflegte sich sehr jugendlich und farbenfreudig zu kleiden, und bei ihren geschwinden Bewegungen wehten stets allerlei bunte Bänder mit denen sie ihre Frisur und ihre Kleider verschwenderisch zu schmücken liebte, in alle Richtungen.
Anton, — ihr Sohn, — ein flinker, hochaufgeschossener Junge, machte eine artige Verbeugung. Man führte Peredonoff in den Salon und er begann gleich gegen Anton Klage zu führen: er wäre faul, unaufmerksam, schwatze und lache während des Unterrichts mit seinen Kameraden, und mache während der Pausen dumme Streiche. Anton war sehr verwundert, — er hatte nicht geglaubt, ein so hartes Urteil zu verdienen, — und verteidigte sich mit Feuereifer. Auch die Eltern waren sehr erregt.
„Erlauben Sie mal,“ schrie der Vater, „sagen Sie ganz genau, was seine Unarten sind?“
„Nimm ihn nicht in Schutz,“ schrie die Mutter, „er hat sich anständig zu betragen.“
„Was hat er nun eigentlich verbrochen?“ fragte der Vater; dabei rannte er im Zimmer hin und her; rollte förmlich auf seinen kurzen Beinchen.
„So überhaupt,“ sagte Peredonoff finster, „er treibt allerhand Unsinn, balgt sich und hat es faustdick hinter den Ohren.“
„Ich habe mich nie gebalgt,“ rief Anton kläglich, „fragen Sie wen Sie wollen, — ich habe mich nie gebalgt.“
„Er vertritt einem den Weg,“ sagte Peredonoff.
„Schön,“ sagte Gudajewskji energisch, „ich werde ins Gymnasium gehn und den Inspektor fragen.“