Peredonoff schritt eilig aus dem Salon. Gudajewskji machte eine lange Nase hinter ihm her und hob ein Bein in die Luft, als hätte er ihn hinausgeworfen. Anton kicherte. Gudajewskji berief ihn zornig:

„Vergiß dich nicht Anton! Morgen noch fahre ich ins Gymnasium und sollte er die Wahrheit gesagt haben, übergebe ich dich der Mutter zur Züchtigung.“

„Ich habe nichts getan, er lügt,“ sagte Anton kläglich.

„Vergiß dich nicht, Anton!“ rief der Vater, „du darfst nicht sagen: er lügt, sondern: er hat sich versehen. Nur kleine Jungen lügen; erwachsene Leute können sich höchstens versehen.“

Unterdessen hatte Peredonoff in das halbdunkle Vorzimmer hinausgefunden, hatte seinen Mantel genommen, und war gerade bemüht, ihn anzuziehen. In der Erregung und Angst konnte er die Aermel nicht finden. Keiner kam ihm zu Hilfe.

Plötzlich öffnete sich eine Seitentür und Julia Petrowna kam hereingestürzt. Ihre Bänder rauschten und wehten, sie gestikulierte mit den Händen, hüpfte auf den Fußspitzen und flüsterte leidenschaftlich. Peredonoff konnte nicht gleich verstehen, was sie sagen wollte. „Ich bin Ihnen dankbar,“ begriff er endlich, „es war vornehm von Ihnen, daß Sie kamen, und Ihre Teilnahme ist vornehm. Sonst sind alle Menschen so gleichgültig, aber Sie haben es verstanden einem armen Mutterherzen nachzufühlen. Es ist unendlich schwer, Kinder zu erziehen; unendlich schwer! Sie haben gar keine Vorstellung davon, wie schwer es ist. Ich habe zwei Kinder und weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Er ist ein Tyrann, ein fürchterlicher, entsetzlicher Mensch, nicht wahr? Sie haben ja selber gesehn?“

„Ja,“ brummte Peredonoff, „es war sehr eigentümlich von Ihrem Mann. Das geht doch nicht, ich bemühe mich um das Kind, und er ...“

„O reden Sie nicht,“ flüsterte Julia Petrowna, „er ist ein fürchterlicher Mensch. Er will mich unter die Erde bringen, würde sich freuen darüber. Meine Kinder will er ins Verderben stürzen, meinen lieben, guten Anton. Aber ich, — ich bin die Mutter, das kann ich nicht dulden, und ich werde ihn doch züchtigen.“

„Er wird es verbieten,“ sagte Peredonoff, und machte mit dem Kopf eine Bewegung zum Salon hin.

„Aber er wird in den Klub gehen. Da kann er den Anton nicht mitnehmen. Ich werde so lange schweigen, — als wäre ich mit allem einverstanden, — bis er sich aufgemacht hat. Ist er fort, so werde ich den Jungen züchtigen und Sie werden mir dabei helfen. Nicht wahr, Sie werden mir doch helfen?“