„Ich habe zu tun,“ sagte Peredonoff finster und stampfte hinaus.
Warwara überlegte betrübt, daß sie wieder eine unruhige Nacht haben würde. Könnte man ihn doch dazu bewegen, recht bald zu heiraten. Dann würde sie schlafen können in der Nacht, am Tage — wann sie nur wollte. Wie wundervoll wäre das.
Auf der Straße kamen Peredonoff Bedenken. Vielleicht ist das ganze nur eine Falle. Gudajewskji ist zu Hause. Beide werden mich packen und mich schlagen. Vielleicht ist es besser, ich kehre wieder um? Doch nein, bis zu ihrem Hause will ich gehen, — das Weitere wird sich dann finden!
Die Nacht war still, kühl und sehr dunkel. Sie umhüllte einen von allen Seiten, und man wagte seinen Fuß nur zögernd vorwärts zu setzen. Ein frischer Duft wehte von den Feldern herüber. Im Grase an den Zäunen raschelte es verstohlen und wisperte; alles ringsum war gespenstisch und unheimlich. Vielleicht verfolgte ihn jemand, schlich ihm nach? Alle Gegenstände verbargen sich im nächtlichen Grauen, als wäre in ihnen ein neues, dunkles Leben erwacht, das der Mensch nicht zu begreifen vermag und das ihm feindlich begegnet.
Peredonoff ging leise durch die Straßen und flüsterte:
„Es ist nichts zu sehen. Doch ich habe nichts Unrechtes vor. Was ich tue, tue ich aus Pflichtgefühl. So ist es.“
Endlich stand er vor dem Hause des Notars. Nur in einem Fenster war Licht, — sonst war alles dunkel. Ganz leise und vorsichtig stieg er die wenigen Stufen empor, die zum Flur führten. Er blieb stehen, legte sein Ohr an die Tür und horchte, — alles blieb still. Ganz leicht berührte er den Messinggriff der Glocke, — in der Ferne hörte man einen schwachen, zitternden Laut. Aber so schwach er auch war, — er erfüllte Peredonoff mit Entsetzen, als müßten alle feindlichen Mächte von diesem Laut erwachen, und dieser einen Tür, vor der er stand, zueilen. Peredonoff lief geschwind die Stufen hinab und drückte sich an die Mauer.
Einige Augenblicke vergingen. Sein Herz krampfte sich zusammen und arbeitete schwer.
Dann hörte man leise Schritte und das Geräusch einer geöffneten Tür, — Julia Petrowna spähte vorsichtig auf die Straße und in der Dunkelheit schienen ihre schwarzen, lüsternen Augen zu funkeln.
„Wer ist da?“ fragte sie laut flüsternd.