XIX

Die Absonderlichkeiten in Peredonoffs Benehmen machten den Direktor Chripatsch von Tag zu Tag besorgter. Er fragte den Schularzt ernstlich, ob Peredonoff nicht den Verstand verloren hätte. Der Arzt antwortete lachend, Peredonoff besäße überhaupt nichts, was sich verrücken ließe und aus purer Dummheit triebe er allerlei Merkwürdiges. Dann liefen Klagen ein. Erst vom Fräulein Adamenko: sie übersandte dem Direktor ein Heft ihres Bruders mit der schlechtesten Note für eine gutgeschriebene Arbeit.

Während einer Pause bat der Direktor Peredonoff in sein Sprechzimmer.

Wahrhaftig, man könnte meinen, er ist verrückt, dachte Chripatsch, als er die Spuren von Angst und Entsetzen in Peredonoffs stumpfem, finsterem Gesichte sah.

„Ich habe ein Anliegen an Sie,“ sagte er kalt und schnell. „Jedesmal dröhnt mir der Kopf, wenn ich neben Ihnen Unterricht zu erteilen habe, — weil in Ihrer Klasse so übermäßig gelacht wird. Darf ich Sie vielleicht ersuchen, Unterricht nicht vorwiegend heiteren Inhalts zu erteilen. Scherzen und nur scherzen, ja wie soll das enden?“

„Ich bin nicht schuld daran,“ sagte Peredonoff böse, „sie lachen von selber. Außerdem kann man nicht nur über das Tüpfelchen auf dem I und über Kantemirs Satyren reden; dann sagt man wohl ein überflüssiges Wörtchen und die ganze Bande grinst. Man hält sie zu locker. Strammer sollte man sie anfassen.“

„Es ist wünschenswert und sogar unbedingt erforderlich, daß die Arbeiten im Gymnasium mit Ernst betrieben werden,“ sagte Chripatsch trocken. „Dann noch eins.“

Er zeigte Peredonoff zwei Hefte und fuhr fort:

„Hier sind zwei Arbeiten zweier Ihrer Schüler aus ein und derselben Klasse, — die eine wurde von meinem Sohn geliefert, die andere — von Adamenko. Ich nahm Gelegenheit, die beiden Arbeiten zu vergleichen, und kann nicht umhin, die Bemerkung zu machen, daß Sie sich nicht aufmerksam zu Ihren Pflichten verhalten. Adamenkos Arbeit, die durchaus befriedigend ist, haben Sie mit der schlechtesten Note zensiert, während meines Sohnes Arbeit, die bedeutend schlechter ist, eine gute Note erhalten hat. Augenscheinlich haben Sie sich versehen, — dem einen Schüler die Note des andern gegeben und umgekehrt. Irren ist zwar menschlich, doch bitte ich in Zukunft, solche Versehen tunlichst zu vermeiden, denn sie erregen eine sehr begründete Unzufriedenheit, sowohl bei den Eltern, als bei den Schülern.“