Im Salon war es halbdunkel wegen der Bäume, die draußen dicht vor dem Hause wuchsen. Außer Martha, die heute besonders gut aufgelegt schien und sich ein seidenes Tüchlein mit einem roten Bande um den Hals gebunden hatte, war noch Murin da, — auch er schien gut gelaunt, — sein Haar war noch zerzauster, als es sonst zu sein pflegte, — und der schon ziemlich erwachsene Gymnasiast Witkewitsch: er machte der Werschina den Hof, weil er glaubte, daß sie in ihn verliebt wäre. Außerdem ging er mit dem Gedanken um das Gymnasium zu verlassen, die Werschina zu heiraten und dann ihr kleines Gut zu bewirtschaften.
Murin stand auf, um Peredonoff zu begrüßen. Er ging ihm mit übertriebener Höflichkeit entgegen, sein Gesicht strahlte, die kleinen Aeuglein blinkten vergnügt, — und das alles paßte durchaus nicht zu seiner ungeschlachten Figur, zu den zerzausten Haaren in denen hie und da kleine Strohhalme hängen geblieben waren.
„In Geschäften bin ich da,“ sagte er laut und heiser, „überall habe ich zu tun; bei dieser Gelegenheit verwöhnten mich die Damen hier mit einem Täßchen Tee.“
„Ach was, Geschäfte,“ sagte Peredonoff gereizt, „was haben Sie für Geschäfte? Sie sind nicht im Staatsdienst und verdienen sich das Geld einfach so. Da könnte ich ein anderes Liedchen singen.“
„Geschäfte sind eben nichts anderes als fremdes Geld,“ sagte Murin laut lachend.
Die Werschina lächelte schief und bat Peredonoff, Platz zu nehmen. Der Tisch vor dem Sofa war dicht bestellt mit Gläsern, Teetassen, Saftschalen und Tellern. Außerdem stand darauf ein silberner Filigrankorb, dessen Boden mit einer kleinen, weißen Serviette bedeckt war, auf der süßes Gebäck und Mandelkuchen lagen, — und eine Flasche Rum.
Witkewitsch hatte sich auf ein kleines, muschelförmiges Glastellerchen eine umfangreiche Portion Saft gelegt. Mit sichtlichem Vergnügen aß Martha ein Stück Kuchen nach dem andern; Murins Teeglas roch stark nach Rum und die Werschina bewirtete Peredonoff, doch er wollte nicht Tee trinken.
„Sie wollen mich vergiften,“ dachte er. „Es ist am bequemsten, einen so aus der Welt zu schaffen. Man trinkt und merkt nichts; es gibt ja auch süße Gifte, — dann kommt man nach Hause und verreckt.“
Er ärgerte sich darüber, daß man für Murin Saft gebracht hatte, und es nicht für nötig gehalten hatte, als er gekommen war, eine bessere Sorte auf den Tisch zu stellen. Denn, überlegte er, — sie haben allerhand Saft auf Lager, nicht nur Schellbeeren.
Es verhielt sich in der Tat so, daß die Werschina gegen Murin ganz besonders zuvorkommend war. Sie war zu der Erkenntnis gekommen, daß von Peredonoff nicht mehr viel zu erwarten wäre, und suchte daher schon seit einiger Zeit nach einem andern passenden Freier für Martha. Der halbverwilderte Gutsbesitzer war es müde geworden, sich um junge Damen zu bewerben, die ihm gar nicht entgegenkommen wollten und, weil ihm Martha gefiel, so folgte er den Aufforderungen der Werschina gerne.