„Er soll sich nur unterstehn!“ rief Murin energisch, „seien Sie ganz unbesorgt, verehrte Natalie Aphanassjewna: er wird sich so betragen, als wäre er auf Draht gezogen.“
Die Werschina wollte diesem Gespräch ein Ende machen, lächelte schief und sagte:
„Ich habe so ein Verlangen nach etwas Saurem.“
„Wollen Sie Preiselbeeren mit Aepfeln? Soll ich bringen?“ fragte Martha und sprang eilig auf.
„Ja vielleicht bringen Sie, bitte!“
Martha lief hinaus. Die Werschina sah ihr nicht einmal nach, — sie hatte sich daran gewöhnt, Marthas Diensteifer als etwas ganz Selbstverständliches hinzunehmen. Sie saß still und ganz zurückgelehnt auf dem Sofa, rauchte in dichten, blauen Wolken und verglich die beiden Männer miteinander, den mürrischen, stumpfen Peredonoff und den fröhlichen, lebhaften Murin.
Murin gefiel ihr bei weitem mehr. Er hatte ein gutmütiges Gesicht, Peredonoff konnte nicht einmal freundlich lächeln. Murin gefiel ihr überhaupt in allen Stücken: er war groß, kräftig gebaut, zuvorkommend, hatte eine angenehme, tiefe Stimme und begegnete ihr mit größter Ehrerbietung. Mitunter überlegte die Werschina, ob es nicht vorteilhaft wäre, wenn sie selber Murin heiraten würde. Solche Gedanken endeten aber immer mit einem großmütigen Verzicht ihrerseits zu Marthas Gunsten.
„Jeder wird mich zur Frau nehmen,“ dachte sie, vor allem, weil ich Geld habe, da kann ich wählen, wen ich will. Diesen jungen Mann da z. B. könnte ich ganz gut heiraten, und ihr Blick streifte wohlwollend das bleiche und gemeine, doch aber nicht unschöne Gesicht Witkewitschs. Der saß da, redete nur wenig, aß viel, blickte die Werschina an und lächelte gemein.
Martha brachte den Preiselbeersaft mit Aepfeln in einem irdenen Gefäß. Dann erzählte sie von einem Traum, den sie in der vergangenen Nacht gehabt hätte: sie wäre auf der Hochzeit einer Freundin gewesen; hätte Ananas und Pfannkuchen mit Honig gegessen und in dem einen Pfannkuchen einen Hundertrubelschein gefunden. Man hätte ihr aber das Geld fortgenommen, und sie wäre darüber in Tränen ausgebrochen. Dann wäre sie aufgewacht.
„Sie hätten das Geld unauffällig beiseite schieben müssen,“ sagte Peredonoff verdrießlich, „wenn Sie nicht einmal im Traum ihr Geld zu halten wissen, wie wollen Sie dann überhaupt wirtschaften?“