Ein wenig weiter traf er den Gendarmerieoberst. Peredonoff trat auf ihn zu und sagte flüsternd:
„Geben Sie acht auf die Adamenko. Sie korrespondiert mit Sozialisten; sie ist vielleicht selber eine.“
Rubowskji schwieg und sah ihn erstaunt an.
Peredonoff ging weiter und dachte traurig: „Was läuft er mir immer in den Weg? Er beobachtet mich wohl, — und überall hat er Schutzleute aufgestellt.“
Die schmutzigen Straßen, die zerfallenen Häuser, der bewölkte Himmel, die bleichen, in Lumpen gehüllten Kinder — das alles mußte traurig stimmen. Eine tiefe Schwermut lastete auf ihm.
„Ein miserables Nest,“ dachte er, „und die Menschen hier sind böse und gemein; ich muß mich in eine andere Stadt versetzen lassen; da werden sich alle Lehrer demütig vor mir verbeugen, und die Schüler werden vor mir zittern und flüstern: der Inspektor kommt. Es ist eine ganz andere Sache, wenn man erst Vorgesetzter ist.“
„Der Herr Inspektor des zweiten Bezirkes im Gouvernement Ruban,“ flüsterte er, „der Herr Staatsrat Peredonoff, hochwohlgeboren.“ — Und weiter, — „man muß die Menschen nur zu nehmen wissen: Seine Exzellenz der Herr Direktor sämtlicher Volksschulen im Gouvernement Ruban, der wirkliche Staatsrat Peredonoff. Hut ab! Den Abschied einreichen! Fort! Wartet nur, ich will euch dressieren!“
Peredonoffs Gesicht wurde gemein und herrisch. In seiner spärlichen Einbildung hielt er sich für einen großen, mächtigen Herren.
Als er nach Hause kam und seinen Ueberzieher im Vorhause ablegte, hörte er im Speisezimmer das abgerissene, schneidende Gelächter Wolodins. Da wurde er mutlos.
„Er ist schon wieder da,“ dachte er, „vielleicht beredet er mit Warwara, wie sie mich umbringen sollen. Darum lacht er auch, er freut sich, daß Warwara mit ihm einer Meinung ist.“