„Was für ein Brief?“ fragte sie und blickte Peredonoff erschreckt und böse an.
„Von der Fürstin!“ schrie Peredonoff.
Warwara hatte Zeit gehabt, sich zu sammeln. Sie lächelte gemein und sagte:
„Woher soll ich es wissen. Du hast ihn wohl in den Papierkorb geworfen und Klawdja wird ihn verbrannt haben. Such ihn doch selber. Vielleicht steckt er irgendwo.“
Peredonoff ging in trübster Stimmung in das Gymnasium. Die Unannehmlichkeiten von gestern Abend fielen ihm ein. Dann dachte er an Kramarenko: wie durfte sich dieser unverschämte Bengel unterstehen, ihn einen Schweinehund zu nennen. Das bedeutete mit andern Worten: der Schüler hat keinen Respekt vor ihm — dem Lehrer. Vielleicht hatte der Junge etwas Schlimmes über ihn in Erfahrung gebracht. Vielleicht wollte er ihn angeben.
Während des Unterrichts starrte ihn Kramarenko unentwegt an und lächelte. Das erregte Peredonoff noch mehr.
Nach der dritten Stunde wurde er zum Direktor gebeten. Ihm ahnte nichts Gutes, aber er ging.
Von allen Seiten waren bei Chripatsch Klagen eingelaufen. Noch heute morgen hatte man ihm von den Ereignissen des gestrigen Abends im Klub erzählt. Dann war gestern nach dem Unterricht der Schüler Wolodja Bultjakoff zu ihm gekommen, um sich über Peredonoff zu beschweren: auf Peredonoffs Angaben hin hätte ihn seine Pensionsmutter bestraft. Nun fürchtete der Junge einen zweiten Besuch Peredonoffs mit ähnlichen Folgen und hatte sich rasch entschlossen an den Direktor gewandt.
Mit seiner trocknen, scharfen Stimme machte Chripatsch Peredonoff Mitteilung von den Gerüchten, die zu ihm gedrungen waren, „es sind zuverlässige Quellen,“ fügte er hinzu, nämlich, daß Peredonoff die Schüler in ihren Wohnungen aufsuche und deren Eltern und Erziehern durchaus unzuverlässige Angaben mache über Betragen und Fortschritte der Kinder und außerdem verlange, man solle den Jungen züchtigen. Hieraus ergeben sich dann mitunter die unangenehmsten Konflikte mit den Eltern, wie z. B. gestern abend im Klub mit dem Notar Gudajewskji.
Peredonoff hörte wütend und doch geängstigt zu. Jetzt schwieg Chripatsch.