„Es scheint, alles ist in Ordnung,“ dachte er: „verbotene Bücher sind nicht zu sehen, die Lampen vor den Heiligenbildern brennen, die Kaiserbilder hängen am Ehrenplatze an der Wand.“

Plötzlich fiel es ihm ein, daß das Porträt Mizkewizschs an der Wand hing.

Da hätte ich schön hereinfallen können, dachte er erschreckt, nahm das Bild herunter und trug es ins Klosett. Dort vertauschte er es gegen das Porträt Puschkins, welches nun wieder in das Eßzimmer aufrückte.

Puschkin war immerhin hoffähig, dachte er, während er das Bild am Nagel befestigte.

Dann fiel es ihm ein, daß man am Abend Karten spielen würde, und er beschloß, die Karten zu besehen. Er nahm ein Spiel zur Hand, das nur einmal benutzt worden war und blätterte es durch, als suche er nach etwas. Die Gesichter der Bilder gefielen ihm nicht: sie hatten so merkwürdige Augen.

In der letzten Zeit war es ihm beim Spielen aufgefallen, daß die Karten so schmunzelten, wie Warwara es zu tun pflegte. Sogar irgend eine nichtswürdige Pik-sechs sah so unverschämt drein und watschelte unanständig daher.

Peredonoff nahm alle Karten, so wie sie gerade lagen, und stach den Bildern mit einer spitzen Schere die Augen aus, sie sollten nicht mehr so starren. Erst tat er es mit den vorhandenen alten Spielen, dann öffnete er zu gleichem Zwecke die noch nicht benutzten Spiele. Diese Arbeit verrichtete er ängstlich umherspähend, als fürchte er von jemand ertappt zu werden.

Zu seinem Glück hatte Warwara in der Küche zu tun und ließ sich im Wohnzimmer nicht blicken, — wie hätte sie auch eine solche Menge von Speisen unbeaufsichtigt lassen können: Klawdja hätte es sofort ausgenutzt. Wenn sie etwas im Eßzimmer brauchte, so schickte sie Klawdja. Jedesmal wenn das Mädchen eintrat, zuckte Peredonoff zusammen, versteckte die Schere in seiner Tasche und tat, als wäre er eifrig dabei, eine Patience zu legen.

Während nun Peredonoff auf diese Weise bemüht war, die Könige und Damen ihres Sehvermögens zu berauben, drohte ihm von ganz anderer Seite ein peinliches Ereignis.

Jenen Hut, den er seinerzeit in der alten Wohnung auf den Ofen geworfen hatte, um ihn ein für allemal loszusein, — hatte die Jerschowa gefunden. Sie kam zur Ueberzeugung, daß man den Hut mit Absicht dagelassen hatte: ihre früheren Mieter haßten sie, und da ist es doch sehr wahrscheinlich, dachte die Jerschowa, daß jene, um sich zu rächen, etwas in den Hut hineingehext haben, was zur Folge haben konnte, daß sich keine Mieter für die leerstehende Wohnung mehr fänden. Aergerlich und geängstigt brachte sie den Hut zu einem Weibe, welches im Rufe der Zauberei stand.