Er entfaltete den Brief und las ihn langsam vor. Aus seinen Augen blickte eine stumpfsinnige Freude befriedigter Bosheit. Die Werschina schäumte. Bis zum letzten Augenblick hatte sie nicht an die Geschichte mit der Fürstin geglaubt, und nun mußte sie einsehen, daß Marthas Angelegenheit endgültig verspielt war. Sie lächelte schief und gezwungen und sagte:

„Nun, — es ist Ihr Glück.“

Martha saß da, mit einem erstaunten, erschreckten Ausdruck im Gesicht und lächelte fassungslos.

„Hab’ ich’s gewonnen?“ sagte Peredonoff schadenfroh. „Sie hielten mich für einen Idioten, nun erweist es sich, daß ich der Klügere war. Sie redeten z. B. vom Kuvert, — da ist es. Nein, nein — die Sache hat ihre Richtigkeit.“

Er klopfte mit der Faust auf den Tisch, nicht zu stark und nicht laut, — und seine Bewegung und der Klang seiner Worte waren so merkwürdig gleichgültig, als wäre er ein Fremder — und ganz teilnahmlos für seine eigenen Angelegenheiten.

Die Werschina und Martha wechselten spöttisch-verlegene Blicke.

„Was sehen Sie einander so an!“ sagte Peredonoff grob, „da gibt es nichts zu sehn: es ist alles in Ordnung, ich heirate Warwara. Viele junge Dämchen haben mir nachgestellt.“

Die Werschina schickte Martha nach Zigaretten, — und Martha war froh, daß sie fort konnte. Als sie über die Kieswege lief, die mit buntem, herbstlichen Laub bedeckt waren, wurde ihr froh und leicht ums Herz. In der Nähe des Hauses traf sie Wladja, der barfuß ging, — da wurde sie noch fröhlicher und vergnügter.

„Er heiratet Warwara, jetzt ist es sicher,“ sagte sie lebhaft mit gedämpfter Stimme und zog den Bruder in den Flur des Hauses.

Peredonoff aber, ohne auf Marthas Rückkehr zu warten, verabschiedete sich plötzlich.