Den zweiten Brief der Fürstin bewahrte Peredonoff mit größerer Sorgfalt als den ersten: er trug ihn stets bei sich im Portefeuille, zeigte ihn aber jedermann und setzte dann eine geheimnisvolle Miene auf. Er achtete scharf darauf, daß keiner ihm den Brief entwenden konnte, gab ihn niemandem in die Hand und verwahrte ihn, wenn er ihn gezeigt hatte, sorgfältig in seinem Portefeuille, das er in eine Seitentasche seines Rockes steckte, den er dann fest zuknöpfte. Dabei blickte er streng und von oben herab auf die Leute, mit denen er sprach.

„Warum trägst du ihn immer bei dir?“ fragte Rutiloff zuweilen lachend.

„Für alle Fälle,“ erklärte Peredonoff finster, „wer kennt sich aus! Ihr stehlt ihn noch.“

„Du tust genau so, als lebten wir in Sibirien,“ sagte Rutiloff, lachte und klopfte Peredonoff auf die Schulter.

Peredonoff aber bewahrte seine durch nichts zu störende, hochmütige Ruhe. Ueberhaupt war er in der letzten Zeit aufgeblasener als gewöhnlich. Oft prahlte er:

„Nun werde ich Inspektor. Ihr könnt hier versauern; ich aber werde zwei Bezirke unter mir haben. Vielleicht auch drei. Oho!“

Er war fest davon überzeugt, daß er in kürzester Zeit die neue Stelle antreten würde. Dem Lehrer Falastoff hatte er mehr als einmal versprochen:

„Ich werde dich schon herausreißen, Freund!“

Das hatte zur Folge, daß der Lehrer Falastoff mit außerordentlicher Ehrerbietung zu Peredonoff aufblickte.