XXII

Peredonoff ging sehr oft zur Kirche. Er stellte sich auf einen sichtbaren Platz und bekreuzigte sich entweder viel öfter, als notwendig war, oder er stand ganz steif da und blickte stumpf vor sich hin. Manchmal schien es ihm, als versteckten sich Spione hinter den Säulen: von dort guckten sie vor und bemühten sich, ihn zum Lachen zu bringen. Er aber widerstand der Versuchung.

Das Lachen, — das leise Lachen, Gekicher und Geflüster der Rutiloffschen Mädchen klang Peredonoff in den Ohren, es wuchs manchmal ganz unglaublich an, als lachten diese hinterlistigen Mädchen dicht vor seinen Ohren, um auch ihn zum Lachen zu bringen, — ihn so zu vernichten. Aber auch dieser Versuchung widerstand Peredonoff.

Zuweilen erschien ihm das graue gespenstische Tierchen; er sah, wie es aus dem Weihrauch hervorschoß; seine kleinen Aeuglein blitzten in Flammen, und mit einem leisen Pfeifen schoß es durch die Luft, dann aber glitt es zu Boden und tummelte sich zu Füßen der Kirchenbesucher, machte sich über Peredonoff lustig und quälte ihn unablässig. Natürlich wollte es Peredonoff einen Schreck einjagen, damit er noch vor Schluß des Gottesdienstes die Kirche verlassen sollte. Er aber erriet diese hinterlistigen Absichten, und widerstand auch dieser Versuchung.

Die gottesdienstlichen Verrichtungen, — die nicht etwa allein dem Wortlaut nach oder durch die Zeremonien, sondern durch ihren tiefen, innerlichen Gehalt auf so viele Leute wirken, — waren Peredonoff ganz unverständlich. Darum fürchtete er sie. Der aufsteigende Weihrauch erschreckte ihn, — er sah nur die rätselhaften Rauchgebilde.

„Warum schwenkt er das Rauchfaß?“ — dachte er.

Die Gewänder der Geistlichen hielt er für grobe, lästig-bunte Lappen, und wenn er auf den reichgeschmückten Priester blickte, so ärgerte er sich, und ihn kam die Lust an, das Meßgewand zu zerreißen, die heiligen Gefäße zu zerschlagen. Die wirklichen Gebräuche und Mysterien schienen ihm böse Zauberei zu sein, zu dem Zwecke erfunden, das einfache Volk zu betören, zu knechten.

„Er hat die Hostie in den Wein gebrockt,“ — dachte er böse über den Priester, — „ein billiges Weinchen, sie betrügen das Volk, um mehr Geld für ihre Amtshandlungen herauszuschlagen.“