„Er trägt eine Kokarde. Hat man schon so was gehört! Als ob er einen Rang hätte! Es ist unerhört!“
„Auch du darfst keine Kokarde tragen,“ sagte Peredonoff.
„Wenn ich es nicht darf, so tu ich es auch nicht,“ entgegnete Wolodin. „Das heißt, zuweilen trage auch ich die Kokarde, aber ich weiß doch, wo und wann ich es tue. Wenn ich zum Beispiel vor die Stadt gehe, so lege ich sie an. Mir macht es Vergnügen, und niemand kann es verbieten. Treffe ich aber ein Bäuerlein, so steh ich hoch in seiner Achtung.“
„Die Kokarde paßt nicht zu deiner Schnauze,“ sagte Peredonoff. „Außerdem pack dich bitte: du hast mich mit deinen Hufen ganz bestaubt.“
Wolodin schwieg gekränkt, blieb aber an Peredonoffs Seite. Dieser sagte besorgt:
„Auch die Rutiloffschen Göhren müßte man angeben. Die kommen nur in die Kirche, um zu schwatzen und zu lachen. Sie schminken sich, staffieren sich aus und gehen hin. Dabei stehlen sie Weihrauchwacholder und fabrizieren daraus ihre Parfums, — es riecht immer so verdächtig von ihnen.“
„Nein! Ist es möglich!“ sagte Wolodin, schüttelte den Kopf und glotzte stumpf vor sich hin.
Ueber die Erde glitt der Schatten einer Wolke und Peredonoff fürchtete sich. In den Staubwolken, im Winde huschte das graue, gespenstische Tierchen. Wenn sich das Gras vor dem Winde bewegte, glaubte Peredonoff das Tierchen liefe da durch, dann biß es ihn und verschwand wieder.
„Warum wächst das Gras auf den Straßen?“ dachte er. „Das ist Unordnung. Man muß es ausjäten.“
Der Ast eines Baumes bewegte sich, krümmte sich, wurde schwarz, krächzte und flog auf. Peredonoff fuhr zusammen. Er schrie wild auf und lief nach Hause. Wolodin folgte ihm ängstlich. Seine Augen quollen vor und blickten stier. Mit der einen Hand hielt er den steifen Hut, mit der andern fuchtelte er mit seinem Stöckchen.