Auf dem Stadtplatz wirbelte der Staub. Peredonoff hörte Geräusche, gleichsam Axtschläge. Kaum sichtbar erhob sich, wuchs aus dem Staube eine hölzerne Wand. Eine Festung wurde gebaut. Bauern in roten Hemden liefen still und drohend hin und her.
Die Wagen sausten vorüber, — die furchtbare Erscheinung blieb weit zurück und verschwand. Peredonoff sah sich entsetzt um, aber es war nichts mehr zu sehen, — und er konnte sich nicht entschließen, zu jemand von dieser Erscheinung zu sprechen.
Den ganzen Weg über fühlte sich Peredonoff tief bedrückt. Alles starrte ihm feindlich entgegen, überall erhoben sich die drohenden Vorzeichen. Der Himmel umwölkte sich. Der Wind stürmte entgegen und seufzte schwer. Die Bäume wollten keinen Schatten geben, hatten den ganzen Schatten in sich gesogen. Dafür wirbelte der Staub längs der Straße, wie eine lange, durchsichtig-graue Schlange. Die Sonne verkroch sich aus einem unbekannten Grunde hinter den Wolken, — wollte sie etwa heimlich beobachten?
Der Weg schlängelte sich durch hügeliges Land, — unerwartet tauchten hinter den Hügeln Sträucher, Wälder, Felder und Bäche auf. Ueber die Bäche führten dröhnende, hölzerne Brücken.
„Der Vogel Auge flog vorüber,“ sagte Peredonoff verdrießlich und starrte in die blendende, neblige Ferne des Himmels. „Er hat ein Auge und zwei Flügel, und weiter hat er nichts.“
Warwara schmunzelte. Sie glaubte, Peredonoff wäre schon am frühen Morgen betrunken. Aber sie widersprach ihm nicht, sonst — dachte sie, — könnte er sich ärgern und wird sich nicht trauen lassen.
In der Kirche standen, versteckt hinter einer Säule, die vier Schwestern Rutiloff. Peredonoff hatte sie zuerst nicht bemerkt, später aber, schon während der Trauung, als sie ihren Hinterhalt verlassen hatten und vorgetreten waren, sah er sie und erschrak. Sie taten übrigens nichts Schlimmes, verlangten nicht — er hatte das befürchtet, — er solle Warwara fortjagen und eine von ihnen nehmen. Sie lachten nur die ganze Zeit. Und ihr anfangs leises Gelächter wurde immer lauter, klang immer drohender in seine Ohren, wie das Gelächter der wütenden Furien.
Außer zwei, drei alten Weibern, die von irgendwoher gekommen waren, waren keine fremden Leute in der Kirche. Es war gut so, denn Peredonoff betrug sich läppisch und sonderbar. Er gähnte, murmelte vor sich hin, stieß Warwara, beklagte sich, daß es nach Bauern röche, und über den Gestank des Weihrauchs und der Wachslichter.
„Deine Schwestern lachen die ganze Zeit,“ brummte er zu Rutiloff gewandt, „sie durchbohren einem die Leber mit ihrem Gelächter.“
Außerdem beunruhigte ihn das graue, gespenstische Tierchen. Es war schmutzig, ganz bestaubt und versteckte sich immer unter den Gewändern des Priesters.