Der Gruschina und Warwara erschienen die kirchlichen Gebräuche lächerlich. Sie kicherten ununterbrochen. Die biblischen Worte, die Frau müsse ihrem Manne anhangen, gaben ihnen Anlaß zu besondrer Lustigkeit. Auch Rutiloff kicherte, — er hielt es für seine Pflicht immer und überall die Damen zum Lachen zu bringen. Wolodin hingegen betrug sich gemessen und würdig; er bekreuzigte sich und bewahrte im Gesicht einen tiefsinnigen Ausdruck. Die kirchlichen Gebräuche waren für ihn nichts anderes, als Bestimmungen, die erfüllt werden mußten, er glaubte, daß die Erfüllung dieser Bestimmungen eine gewisse innerliche Bequemlichkeit förderte: man geht an Feiertagen zur Kirche, betet, — und ist gerecht; man sündigt, bereut — und ist wiederum gerecht. Wie gut und bequem! Um so bequemer, als man durch nichts verpflichtet war, außerhalb der Kirche sich um kirchliche Angelegenheiten zu kümmern, vielmehr sich an ganz andere, praktische Lebensregeln halten mußte.

Die Trauungszeremonien waren eben beendet, man war noch nicht aus der Kirche heraus, — da ereignete sich etwas Unvorhergesehenes. Lärmend drang in die Kirche eine betrunkene Gesellschaft, Murin mit seinen Freunden.

Murin, wie gewöhnlich, zerzaust und schmutzig, umarmte Peredonoff und schrie:

„Bruder! Uns bleibt nichts verborgen. Wir sind doch Freunde, die kein Wasser trennen kann, und du — Kerl — hast uns nichts gesagt.“

Man hörte Ausrufe:

„Der Lump, — er hat uns nicht eingeladen!“

„Jetzt sind wir doch hier!“

„Wir haben es doch erfahren!“

Die Neuangekommenen umarmten und beglückwünschten Peredonoff. Murin sagte:

„Wir haben etwas zu lange gesoffen, sonst hätten wir euch von Anfang an beehrt.“