Warwara gab sich alle Mühe, der Frau Direktor zu gefallen, aber ihre roten Hände und die geplatzten Lippen zitterten noch vor Schrecken. Das genierte die Frau Direktor. Sie bemühte sich, noch liebenswürdiger zu sein, aber ein unwillkürlicher Ekel befiel sie. Durch ihr ganzes Verhalten gab sie es Warwara deutlich zu verstehen, daß ein näherer Verkehr zwischen ihnen ausgeschlossen war. Da dies aber in sehr zuvorkommender Form geschah, so verstand es Warwara nicht und lebte im Glauben, sie und die Frau Direktor würden gute Freunde werden.
Chripatsch erinnerte in seinem Verhalten an einen Menschen, der sich ganz deplaziert vorkommt; aber gewandt und männlich suchte er das zu verbergen. Den Madeira trank er nicht: er wäre es nicht gewohnt, um diese Stunde Wein zu trinken. Man redete über die städtischen Neuigkeiten, über den bevorstehenden Wechsel im Bezirksgericht. Es war aber nur zu deutlich zu merken, daß er und Peredonoff in zwei einander feindlich gegenüberstehenden Gesellschaftsschichten verkehrten.
Sie blieben nicht lange.
Warwara war froh, als sie wieder gingen: nun, sie sind gekommen und sind bald gegangen. Sie zog sich um und sagte fröhlich:
„Gott sei Dank, sie sind fort. Ich wußte ja gar nicht, was ich sprechen sollte. Es ist schon so, wenn man jemand nur flüchtig kennt, so weiß man gar nicht, von welcher Seite man anpacken soll.“
Dann fiel es ihr ein, daß die Chripatschs sie beim Fortgehen nicht eingeladen hatten. Das verwirrte sie zuerst; dann dachte sie:
„Sie werden eine Einladung schicken, wann man sie besuchen darf. Diese Herrschaften haben ihre besonderen Stunden. Ich müßte eigentlich Französisch kläffen lernen. Auf Französisch kann ich nicht a und b sagen.“
Zu Hause sagte die Frau Direktor zu ihrem Mann:
„Sie ist eine ganz traurige, hoffnungslos tief stehende Person; es ist ganz unmöglich, sie als seinesgleichen zu betrachten. Nichts in ihr entspricht ihrer sozialen Stellung.“
Chripatsch antwortete: