Die Zeit verging, aber die von Tag zu Tag erwartete Ernennung Peredonoffs zum Inspektor traf nicht ein. Auch hörte man privaten Erkundigungen zufolge nichts von einem vakanten Posten. Peredonoff wagte es nicht, bei der Fürstin selber anzufragen, — denn Warwara erschreckte ihn stets damit, sie wäre eine sehr angesehene Dame. Und er hatte das Gefühl, es würden ihm die größten Unannehmlichkeiten daraus entstehen, wenn er es versuchen würde, an sie zu schreiben. Er wußte zwar nicht, was man ihm antun könnte, wenn die Fürstin ihn verklagen würde, aber gerade das war ihm besonders furchtbar. Warwara sagte:
„Kennst du denn die Aristokraten nicht? Warten, — sie tun selber alles, was nötig ist. Wirst du sie aber daran erinnern, — so wird sie das kränken, und das ist noch viel schlimmer. Sie haben ihre eigene Ehre! sie sind stolz, sie lieben es, wenn man ihnen vertraut.“
Und Peredonoff glaubte noch immer. Aber er ärgerte sich über die Fürstin. Zuweilen dachte er, daß sie ihn denunziert hätte, um sich ihrer Versprechungen zu entledigen. Oder ihn denunziert hätte aus lauter Eifersucht: sie war in ihn verliebt, und er hatte Warwara geheiratet. Darum, dachte er, umringt sie mich mit Spionen, die mir überall folgen und mich so beengen, daß ich keine Luft und kein Licht habe. Nicht umsonst ist sie so vornehm. Sie kann alles, was sie will.
Aus Wut verbreitete er über die Fürstin die unglaublichsten Geschichten. Er erzählte Rutiloff und Wolodin, er wäre früher ihr Liebhaber gewesen, und sie hätte ihm große Summen Geldes gegeben.
„Ich habe alles vertrunken. Was zum Teufel sollte ich damit anfangen! Sie hatte mir versprochen, mir eine Pension bis zum Lebensende zu zahlen. Aber sie hat mich betrogen.“
„Hättest du das angenommen?“ fragte Rutiloff und kicherte.
Peredonoff schwieg. Er verstand die Frage nicht. Dafür antwortete Wolodin für ihn, als verständiger, solider Mann:
„Warum sollte er es nicht nehmen, wenn sie doch reich ist? Hat sie ihr Vergnügen an ihm gehabt, so mag sie auch zahlen.“
„Wenn sie noch schön wäre!“ sagte Peredonoff betrübt. „Sie ist aber sommersprossig und hat eine Stülpnase. Das einzige war, daß sie gut zahlte, sonst hätte ich mich nicht einmal entschließen können, dies Luder anzuspucken. Sie muß meine Bitte erfüllen.“
„Du lügst, Ardalljon Borisowitsch,“ sagte Rutiloff.