„Ich lüge nicht. Etwa das, daß sie mir Geld gegeben hat? Glaubst du, ich hätte es umsonst getan? Sie ist eifersüchtig auf Warwara, und darum verschafft sie mir nicht die Stelle.“
Peredonoff schämte sich nicht einmal, wenn er davon sprach, daß die Fürstin ihm Geld gegeben hatte. Wolodin war ein gläubiger Zuhörer und merkte gar nicht, in was für dumme Widersprüche Peredonoff sich verwickelte. Rutiloff widersprach wohl, dachte aber, daß es ohne Feuer keinen Rauch gibt: irgend etwas, dachte er, hat Peredonoff mit der Fürstin gehabt.
„Sie ist älter als der Köter eines Popen,“ sagte Peredonoff zuversichtlich, als wäre es etwas ganz Sachliches; „erzählt es nur keinem weiter, — kommt es ihr zu Ohren, so geht es mir schlecht. Sie schminkt sich und spritzt sich Tau in die Adern, um jung zu bleiben. Man sieht es ihr auch nicht an, daß sie alt ist. Sie ist aber schon hundert Jahre alt.“
Wolodin schüttelte nur den Kopf und schmatzte mit den Lippen. Er glaubte alles.
Am folgenden Tage nach diesem Gespräch mußte Peredonoff in einer Klasse die Krjiloffsche Fabel „Der Lügner“ lesen lassen. Und einige Tage hintereinander fürchtete er sich über die Brücke zu gehen, — mietete ein Boot und ließ sich hinüberfahren, — die Brücke hätte ja unter ihm einstürzen können. Er erklärte Wolodin:
„Was ich über die Fürstin erzählte, ist wahr. Aber die Brücke könnte es nicht glauben und wird darüber einstürzen.“