„Sie haben gut reden. Sie sitzen im Trockenen. Mich wird man aber ins Gefängnis sperren. Aber wie Sie wollen, — ich muß den Brief zurückhaben. Es gibt ja auch eine Ehescheidung.“

„Ach, lassen Sie doch!“ antwortete Warwara frech, und stemmte die Arme in die Hüften, „meinetwegen können sie es öffentlich anschlagen; der Brautkranz fällt einem nicht so leicht vom Kopf.“

„O, wenn Sie das glauben!“ schrie die Gruschina, „so ein Gesetz gibt es nicht, daß man auf einen Betrug hin heiraten darf. Wenn Ardalljon Borisowitsch die ganze Sache bei seinen Vorgesetzten anhängig macht, und bis zum Senat geht, so wird die Ehe geschieden.“

Warwara erschrak und sagte:

„Warum regen Sie sich so auf, — ich werde Ihnen den Brief verschaffen. Da gibt es nichts zu fürchten, — ich werde Sie nicht verraten. Bin ich denn so ein Rindvieh? Ich habe doch eine Seele im Leibe.“

„Ach! gehen Sie mit Ihrer Seele!“ sagte die Gruschina grob, „beim Hunde und beim Menschen, es ist ein Dunst. Da gibt’s keine Seele. Solange man lebt, solange ist man.“

Warwara beschloß, den Brief zu stehlen, wenn es auch sehr schwer fiel. Die Gruschina trieb sie zur Eile. Es gab nur eine Hoffnung, — den Brief zu entwenden, wenn Peredonoff betrunken war. Er trank aber viel. Oft kam er angeheitert ins Gymnasium, und führte schamlose Reden, die sogar die allerbösesten Jungen mit Ekel erfüllten.

Einmal kam Peredonoff betrunkener als sonst vom Billard nach Hause: die neuen Bälle waren „begossen“ worden. Von seiner Brieftasche trennte er sich aber nicht; — nachdem er sich nachlässig entkleidet hatte, stopfte er sie unter das Kopfkissen.

Er schlief unruhig, aber fest, und redete im Schlaf, — und das, was er im Traume sagte, handelte von etwas Fürchterlichem, Bedrückendem. Warwara war in tausend Aengsten.

Einerlei, — ermunterte sie sich, — wenn er nur nicht aufwacht.