„Ich werde ihn Ihnen doch nicht abspenstig machen,“ entgegnete scherzend die Prepolowenskaja.
Die Scherze der Prepolowenskaja hatten dem langsamen Gedankengang Peredonoffs eine andere Richtung gegeben. Die Erinnerung an die Jerli war ihm fest haften geblieben. Was hatte Wolodin für einen Grund, von dieser Speise zu erzählen? Peredonoff liebte es nicht, zu grübeln. Im ersten Augenblick glaubte er alles, was man ihm sagte. So glaubte er auch, daß Wolodin in Warwara verliebt wäre. Er überlegte so: sie wollen mich umgarnen, dann, — wenn es dazu kommt, daß ich in einer anderen Stadt Inspektor werden soll, werden Sie mich unterwegs mit diesen Jerlis vergiften, und an meine Stelle tritt dann Wolodin; man wird mich beerdigen, und Wolodin wird Inspektor. Wahrhaftig! schlau haben sie sich das ausgedacht.
Plötzlich hörte man im Vorzimmer Lärm. Peredonoff und Warwara erschraken: Peredonoff richtete seine zusammengekniffenen Augen starr auf die Tür, Warwara schlich zur Tür, die in den Saal führte, öffnete sie ein wenig, blickte hinein, und dann kehrte sie ebenso leise auf den Fußspitzen, mit den Händen balancierend und verlegen lächelnd zum Tisch zurück. Aus dem Vorzimmer hörte man schrilles Rufen und Schreien, so als wäre dort eine Prügelei. Warwara flüsterte:
„Es ist die Jerschicha — vollständig betrunken —, Natascha läßt sie nicht herein. Aber sie drängt mit aller Gewalt in den Saal.“
„Was sollen wir tun?“ fragte Peredonoff ängstlich.
„Wir müssen in den Saal gehen,“ entschied Warwara, „damit sie nicht herkommt.“
Man ging in den Saal, und die Türe zum Speisezimmer wurde geschlossen. Warwara ging ins Vorhaus. Sie hoffte im stillen die Hauswirtin dort aufhalten zu können oder sie in die Küche zu expedieren. Aber das niederträchtige Weib drängte nur so in den Saal herein. Sie stemmte ihre Fäuste in die Seiten, blieb an der Schwelle stehen und begann als erste allseitige Begrüßung zu schimpfen. Peredonoff und Warwara bemühten sich um sie und versuchten sie auf einen Stuhl in der Nähe des Vorhauses und weitab vom Speisezimmer festzunageln. Warwara brachte ihr aus der Küche auf einem Teebrett Bier, Schnaps und Pasteten. Allein die Hauswirtin setzte sich nicht, aß nichts und drängte mit Gewalt ins Speisezimmer; nur die Türe konnte sie nicht finden. Sie war ganz rot im Gesicht, zerzaust, schmutzig und roch schon von weitem nach Schnaps. Sie brüllte:
„Nein, du mußt mich an deinen Speisetisch führen. Warum bringst du mir das Essen auf einem Teebrett. Ich will ein Tischtuch vor mir haben. Ja — ich bin die Hauswirtin! Du mußt mich in Ehren bewirten. Du — sieh mich nicht so an, weil ich besoffen bin. Dafür bin ich ein ehrliches Weib! ich bin meinem Manne rechtmäßig angetraut.“ Warwara lächelte gemein und feig. Sie sagte:
„Das wissen wir schon.“
Die Jerschowa blinzelte Warwara an, lachte heiser und schwippte frivol mit den Fingern. Sie wurde immer dreister und frecher.