Er erklärte Rubowskji:

„Es sind Verräter. Sie stellen sich so, als wären sie Freunde; sie wollen einen aber betrügen. Das aber wissen sie nicht, daß ich Dinge von ihnen weiß, die sogar mit Sibirien viel zu gering bestraft wären.“

Rubowskji hörte ihm schweigend zu. Gleich die erste, augenscheinlich ganz sinnlose Denunziation schickte er einfach an den Direktor, und so tat er es mit allen nachfolgenden. Der Direktor schrieb an den Schulbezirk, daß sich am Lehrer Peredonoff Zeichen von geistiger Gestörtheit bemerkbar machten.

Im Hause hörte Peredonoff überall ununterbrochene, fürchterliche, höhnische Geräusche. Traurig sagte er zu Warwara:

„Irgend jemand schleicht da auf den Zehenspitzen, — überall treiben sich bei uns Spione herum. Du verteidigst mich gar nicht, Warjka.“

Warwara konnte diese Phantasien Peredonoffs nicht begreifen. Bald machte sie sich darüber lustig, bald fürchtete sie sich davor. Sie sagte ängstlich und gereizt:

„Deinen betrunkenen Augen erscheint der größte Blödsinn.“

Besonders verdächtig schien Peredonoff die Tür zum Vorhause zu sein. Sie schloß nicht ganz. Eine Ritze zwischen den beiden Türflügeln deutete auf etwas, was sich dahinter verborgen hielt. War das nicht der Coeur-Bube, der da hervorlauerte? Irgend jemandes Auge blitzte, böse und durchdringend.

Der Kater verfolgte mit seinen weit aufgerissenen, grünen Augen jede Bewegung Peredonoffs. Zuweilen zwinkerte er ihm zu, zuweilen miaute er unheimlich. Augenscheinlich hatte er die Absicht, Peredonoff zu überführen, konnte es aber nicht und ärgerte sich darüber. Peredonoff vermied ihn nach Möglichkeit, aber der Kater war nicht fortzukriegen.

Das graue, gespenstische Tierchen lief unter allen Stühlen, in alle Winkel und quiekte. Es war schmutzig, widerwärtig, fürchterlich und stank. Es war doch klar, daß es ihm feindlich gesinnt war; nur um seinetwillen war es gekommen, denn früher war es nie und nirgends zu sehen gewesen. Man hatte es geschaffen, — und besprochen. Nun lebte es da, — ihn zu ängstigen, ihn zu verderben, dieses gespenstische, alles sehende Tier; — es verfolgt ihn, es betrügt ihn, es lacht ihn aus; — bald rollt es über den Boden, bald krallt es sich an einen Fetzen, ein Band, einen Zweig, eine Fahne, eine Wolke, ein Hündchen, in die Staubwirbel auf den Straßen, und überall kriecht und läuft es ihm nach, — ganz zerquält hat es ihn, ganz ermattet mit seinen schaukelnden, unruhigen Bewegungen. Würde ihn nur jemand davon befreien, mit irgend einem Wort, oder mit einem plötzlichen, starken Schlag. Aber er hat keine Freunde; niemand wird ihn retten; er muß selber listig und schlau sein; es vernichten, noch bevor es ihn umgebracht hat.