Peredonoff erfand ein Mittel: er bestrich alle Böden mit Leim, da mußte das graue Tierchen ankleben. Die Schuhsohlen klebten wohl an und Warwaras nachschleppende Kleider, aber das graue, gespenstische Tierchen rollte vergnügt und frei hin und her, und schüttelte sich vor Lachen. Warwara schimpfte böse ...
Peredonoff lebte ganz im Banne der aufdringlichen, schrecklichen Vorstellung, verfolgt zu werden. Er selbst vertiefte sich immer mehr in die Welt seiner unheimlichen Wahnideen. Das zeigte sich auch deutlich an seinem Gesicht: es war eine unbewegliche Larve des Entsetzens.
Am Abend ging er nicht mehr zum Billard. Nach dem Mittagessen schloß er sich im Schlafzimmer ein, verbarrikadierte die Tür mit Stühlen und anderen Gegenständen, bekreuzte sich sehr andächtig, sprach Beschwörungsformeln her, und setzte sich dann an den Tisch, um Denunziationen zu schreiben; er denunzierte jeden, an den er sich gerade zufällig erinnerte. Aber er denunzierte nicht nur Menschen, — auch die Damen des Kartenspiels. Gleich, wenn er mit dem Schreiben zu Ende gekommen war, brachte er das Schriftstück zum Gendarmerieoffizier. Und so verbrachte er einen Abend nach dem andern.
Vor seinen Augen blinkten alle Figuren des Kartenspiels, als lebten sie, — die Könige, die Damen, die Buben. Auch die einfachen Karten lebten. Das waren Menschen mit Knöpfen: Gymnasiasten, Schutzleute. Das Aß — ist ein ganz Dicker, mit vortretendem Bauch, fast nur ein Bauch. Manchmal verwandelten sich die Karten in ihm bekannte Leute. Das Lebendige und diese sonderbaren Ausgeburten seiner Furcht vermengten sich zu einer Vorstellung.
Peredonoff war fest davon überzeugt, daß der Bube hinter der Tür steht und wartet, und daß dieser Bube über dieselbe Kraft und Macht verfügt wie etwa ein Schutzmann, er kann einen abführen in irgend eine fürchterliche Wachtstube. Unter dem Tische sitzt aber das graue, gespenstische Tierchen. Und Peredonoff fürchtete sich, unter den Tisch oder hinter die Tür zu blicken.
Die Achten waren lauter Wildfänge, die Peredonoff neckten, — das waren verwandelte Gymnasiasten. Sie hoben ihre Beine mit merkwürdig leblosen Bewegungen, wie zwei Zirkelhälften, — ihre Beine waren aber mit Haaren bewachsen und hatten Hufe statt der Füße. Anstelle der Schwänze wuchsen ihnen Ruten und die Jungen schwangen sie pfeifend hin und her und quiekten durchdringend bei jeder Bewegung. Das graue, gespenstische Tierchen grunzte unter dem Tisch und freute sich über die Lustbarkeit dieser Achten.
Peredonoff dachte wütend daran, daß das graue, gespenstische Tierchen sich nicht unterstehen würde einen Vorgesetzten etwa zu belästigen.
Man wird es nicht hereinlassen, dachte er voll Neid, die Lakaien werden es mit ihren Besen hinaustreiben.
Endlich konnte Peredonoff das böse und gemeine, piepende Gelächter des Tieres nicht mehr ertragen. Er holte ein Beil aus der Küche und zertrümmerte den Tisch, unter dem es saß. Das Tierchen piepte jämmerlich und gereizt, warf sich zur Seite und rollte davon. Peredonoff zitterte.
Es wird beißen, dachte er, schrie auf vor Entsetzen und ließ sich in einen Stuhl fallen. Aber das graue Tierchen war friedlich verschwunden. Nicht für lange ...