Manchmal nahm Peredonoff die Karten, und — mit einem bösen, haßerfüllten Ausdruck im Gesicht, — zerstach er mit seinem Federmesser die Köpfe in den Bildern. Besonders den Damen. Wenn er die Könige zerschnitt, blickte er ängstlich um sich, ob keiner es sähe, der ihn dann eines politischen Verbrechens anklagen könnte. Aber auch diese Maßregeln halfen nur für kurze Zeit. Wenn Gäste kamen, mußten neue Karten gekauft werden und bald fuhren die Spione in die neuen Karten.
Schon begann Peredonoff sich für einen heimlichen Verbrecher zu halten. Er bildete sich ein, daß er von seiner Studentenzeit an unter polizeilicher Aufsicht gestanden habe. Darum, dachte er, verfolgt man mich auch. Das entsetzte ihn und machte ihn hochmütig.
Ein Zugwind bewegte die Tapeten. Sie raschelten leise und bösartig, und leichte Halbschatten glitten über ihr buntes Muster. Da! Hinter der Tapete versteckt sich der Spion! dachte Peredonoff.
Böse Leute, dachte er traurig, nicht umsonst haben sie die Tapeten so lose an die Wand geheftet, damit der flache, geschmeidige und geduldige Bösewicht sich dahinter verbergen kann. Man kennt solche Beispiele von früher her.
Trübe Erinnerungen wurden in ihm lebendig. Irgend jemand versteckte sich hinter der Tapete, irgend jemand wurde erdolcht. War es nun mit einer Pfrieme oder mit einem Dolch?
Peredonoff kaufte sich eine Pfrieme. Als er nach Hause kam, bewegten sich die Tapeten ungleichmäßig, wie aufgeregt, — der Spion fühlte die Gefahr und wollte vielleicht irgendwohin fortkriechen. Ein Schatten flackerte auf, sprang an die Decke und drohte und zuckte dort oben.
Peredonoff kochte vor Wut. Weit ausholend stieß er mit der Pfrieme in die Tapete. Ein Zittern lief durch die Wand; Peredonoff brüllte triumphierend auf und begann zu tanzen, die Pfrieme in der Hand schwingend. Warwara kam herein.
„Warum tanzst du allein, Ardalljon Borisowitsch?“ fragte sie, mit dem gewohnten, stumpfen und gemeinen Lächeln auf den Lippen.
„Ich schlug eine Wanze tot,“ erklärte Peredonoff verdrießlich.
Seine Augen funkelten in wilder Freude. Doch eins war nicht gut: es roch so entsetzlich. Der erstochene Spion faulte und stank hinter der Tapete. Entsetzen und Jubel schüttelten Peredonoff: — er hatte einen Feind erschlagen.