„Böser, böser Junge! Du schlägst!“ rief sie atemlos.

Sascha war bestürzt, er ließ die Arme sinken und blickte schuldbewußt auf die weißen Striemen auf Ludmillas Backe; es waren die Spuren seiner Finger. Ludmilla benutzte seine Verwirrung. Schnell zog sie ihm das Hemd von beiden Schultern, daß es bis zu den Ellenbogen herunterglitt. Er kam wieder zur Besinnung, riß sich los, aber dadurch wurde es nur schlimmer, — Ludmilla zog an den Aermeln, und das Hemd fiel bis zum Gürtel herunter. Sascha fühlte die Kälte, und wieder stieg in ihm das unerbittliche Schamgefühl auf, daß ihm der Kopf schwindelte. Er war nackt bis an die Hüften.

Ludmilla hielt ihn fest am Arm; mit der freien Hand streichelte sie seine nackten Schultern und blickte in seine erstarrten, unter den dichten, schwarzen Wimpern merkwürdig flackernden Augen.

Und dann zitterten diese Wimpern, das Gesicht verzog sich zu einer lächerlich-kindischen Grimasse, — und plötzlich weinte und schluchzte er.

„Lassen Sie mich!“ rief er schluchzend. „Sie sind frech!“

„Das Baby klöhnt!“ sagte sie ärgerlich und verlegen und stieß ihn fort.

Sascha kehrte ihr den Rücken und wischte sich mit den Händen die Tränen aus den Augen. Er schämte sich, daß er geweint hatte. Er bemühte sich, an sich zu halten.

Ludmilla blickte heiß auf seinen nackten Rücken.

All die Herrlichkeit in der Welt! dachte sie. Alle diese Schönheit verbergen die Menschen voreinander — warum, warum?

Sascha krümmte verschämt den nackten Rücken, er bemühte sich, das Hemd anzuziehen, aber er verknüllte es nur; es krachte in den Nähten unter seinen zitternden Fingern und es war ihm auf keine Weise möglich, mit den Armen durch die Aermel zu schlüpfen. Dann nahm er die Bluse, — mochte das Hemd einstweilen so bleiben.