„O, Sie fürchten wohl für Ihr Eigentum. Ich werde Ihnen nichts stehlen,“ sagte Ludmilla, und ihre Stimme klang böse vor verhaltenen Tränen.
Heftig schleuderte sie ihm den Gurt zu und kehrte sich zum Fenster. Was sollte sie mit diesem albernen Jungen in seiner grauen Bluse! Eine widerliche Zierpuppe!
Sascha schlüpfte flink in die Bluse, brachte sein Hemd irgendwie in Ordnung und blickte schüchtern, unsicher und verschämt auf Ludmilla. Er sah, daß sie sich mit den Händen die Augen rieb. Leise trat er zu ihr und blickte ihr ins Gesicht. Und die Tränen, die über ihre Wangen rollten, lösten in ihm plötzlich das Gefühl zärtlichen Mitleids und vergifteten ihn. Er schämte sich nicht mehr, und er ärgerte sich nicht.
„Warum weinen Sie, liebste Ludmilla?“ fragte er leise.
Dann fiel ihm sein Schlag ein und er wurde plötzlich rot.
„Ich habe Sie geschlagen. Verzeihen Sie mir. Ich hab’ es nicht mit Absicht getan,“ sagte er bescheiden.
„Dummer Junge! schmilzst du, wenn du mit nackten Schultern dasitzt,“ sagte Ludmilla anklagend. „Du fürchtest dich wohl vor der Leidenschaft! Schönheit und Unschuld werden welken.“
„Warum ist denn das nötig?“ fragte Sascha mit verlegener Miene.
„Warum?“ sagte sie leidenschaftlich. „Ich lieb die Schönheit. Ich bin eine Heidin, eine Sünderin. Im alten Athen hätte ich geboren werden müssen. Ich liebe die Blumen, den Duft, die leuchtenden Gewänder, den nackten Körper. Man sagt, es gäbe eine Seele. Ich weiß es nicht. Ich habe sie nicht gesehen. Und was sollte ich damit? Ich möchte sterben wie eine Nixe, möchte hinschwinden wie ein Wölkchen vor der Sonne. Ich liebe den Körper, — den starken, geschmeidigen, nackten Körper, der den Genuß sucht.“
„Auch leiden kann er,“ sagte Sascha leise.