„Warum weinst du denn?“ fragte er sorglos lächelnd.

„Mein Herz ist erfüllt von Freude. Die sieben Schwerter der Glückseligkeit durchbohrten meine Brust; — wie sollte ich nicht weinen?“

„Du bist ein Dummchen! wirklich ein Dummchen!“ sagte Sascha lachend.

„Und du bist klug!“ sagte Ludmilla plötzlich gereizt; sie trocknete ihre Tränen und seufzte schwer. „Begreif denn, dummer Junge,“ sprach sie mit leiser, überzeugender Stimme, „nur in der Sinnlosigkeit ist Glück und Weisheit.“

„Nun ja!“ sagte Sascha ungläubig.

„Man muß vergessen, sich selber vergessen, dann wirst du alles verstehen,“ flüsterte Ludmilla. „Glaubst du etwa, die weisen Leute brauchten zu denken?“

„Wie denn sonst?“

„Sie wissen. Es ist ihnen gegeben: nur zu sehn brauchen sie und alles ist vor ihnen enthüllt.“

Es war an einem stillen Herbstabend. Nur wenn der Wind durch die Zweige der Bäume strich, hörte man hinter dem Fenster sein leises Rauschen.

Sascha und Ludmilla waren allein. Sie hatte ihm das Fischerkleid mit rosa Seide angezogen; er war barfuß und lag auf einem niedrigen Ruhebett. Sie saß ihm zu Füßen, war selber barfuß und hatte nur ein Hemd an. Sie hatte Saschas Körper und sein Kleid parfumiert, es war ein schwerer, saftiger, fast zerbrechlicher Duft, wie ein regungsloser Geist, der in die Berge und ins fremdblühende Tal gebannt ist.