„Warten Sie,“ sagte Peredonoff, „das muß man richtig verstehen. Hier haben wir eine Allegorie. Die Wölfe gehn paarweise: der Wolf und die gierige Wölfin. Der Wolf ist satt, sie ist hungrig. Die Frau muß immer nach dem Manne essen. Die Frau muß sich in allem dem Manne unterordnen.“

Pjilnikoff war fröhlich; er lächelte und blickte auf Peredonoff aus seinen trügerisch-reinen, tiefschwarzen Augen. Saschas Gesicht ärgerte und quälte Peredonoff. Der verfluchte Bengel bezauberte ihn mit seinem tückischen Lächeln.

Und ist er überhaupt ein Junge? Vielleicht sind es zwei: Bruder und Schwester, und es ist nicht herauszubringen — wer wo ist. Vielleicht kann er sich auch aus einem Knaben in ein Mädchen verwandeln. Nicht umsonst ist er immer so sauber, — denn um sich zu verwandeln, mußte er sich in allerhand Wässerchen waschen, — anders ging es doch nicht. Außerdem roch er immer nach Parfums.

„Womit haben Sie sich parfumiert, Pjilnikoff?“ fragte Peredonoff, „etwa mit Patschuli?“

Die Jungen lachten. Das kränkte Sascha; er wurde rot und schwieg.

Den einfachen Wunsch, zu gefallen, nicht ekelhaft sein zu wollen, — konnte Peredonoff nicht verstehen. Eine jede derartige Erscheinung, und sei es auch an einem Knaben, hielt er für gefallsüchtige Eitelkeit. Wer sich gut kleidete, der hatte — davon war er überzeugt — nur den einen Wunsch, ihm zu schmeicheln. Aus welchem anderen Grunde hätte er sich gut kleiden sollen? Sauberkeit und gute, elegante Kleidung waren ihm zuwider; Parfums waren für sein Empfinden ein Gestank; jedem Parfum zog er den Geruch eines frisch gedüngten Feldes vor, denn — so glaubte er — das ist der Gesundheit zuträglich. Sich schön kleiden, sich sauber halten, sich waschen, — das alles kostet Zeit, Mühe und Arbeit; und der Gedanke an jede Arbeit erschreckte Peredonoff und langweilte ihn. Wie schön wäre es doch, nichts zu tun! Nur essen, trinken und schlafen — nur das!

Saschas Kameraden neckten ihn damit, daß er sich mit Patschuli parfumiert hätte, und daß Ludmilla in ihn verliebt wäre. Er begehrte auf und antwortete heftig, — sie wäre in ihn nicht verliebt; das hätte sich Peredonoff einfach ausgedacht; er — Peredonoff — hätte um Ludmilla angehalten, sie aber habe ihm einen Korb gegeben, — darum wäre er jetzt wütend auf sie und verbreite über sie schlechte Gerüchte. Die Kameraden glaubten ihm, — man kannte doch Peredonoff! — aber sie hörten nicht auf, ihn zu necken; jemanden zu necken ist doch so angenehm.

Peredonoff erzählte hartnäckig jedem, der es hören wollte, wie verderbt Pjilnikoff wäre.

„Er hat sich mit Ludmilla eingelassen,“ sagte er. „Sie küssen sich so eifrig, daß sie schon einen Abc-Schützen geboren hat und mit dem anderen schwanger geht.“

Ueber Ludmillas Liebe zu einem Gymnasiasten redete man sehr übertrieben in der Stadt; man wußte darüber höchst alberne und unanständige Einzelheiten zu berichten. Doch niemand wollte es glauben: Peredonoff hatte die Sache zu sehr gepfeffert. Allein die Liebhaber am Necken — und deren gab es viele in unserer Stadt, — sagten Ludmilla: