XXVIII
Sascha war nach dem Mittagessen fortgegangen und zur festgesetzten Zeit, um sieben Uhr, noch nicht heimgekehrt. Die Kokowkina wurde unruhig: wollte Gott es verhüten, daß er zu dieser verbotenen Stunde einem der Lehrer auf der Straße begegnete. Man würde ihn bestrafen, und ihr wäre das so peinlich. Bei ihr hatten immer bescheidene Jungen gelebt, die sich nie in der Nacht herumgetrieben hatten. Sie machte sich auf die Suche nach ihm. Wo sollte er anders sein, als bei Rutiloffs.
Ludmilla hatte, — als mußte es gerade heute sein, — es vergessen, die Tür zu verriegeln. Die Kokowkina trat ein und was sah sie?
Sascha steht vor dem Spiegel und fächelt sich mit einem Fächer. Ludmilla lacht aus vollem Halse und zupft die Bänder an seinem grellfarbigen Gürtel zurecht.
„Ach du lieber Gott! Dein Wille geschehe!“ rief die Kokowkina entsetzt, „was sind das für Geschichten! Ich bin ganz aus dem Häuschen, suche ihn überall, und er führt hier eine Komödie auf: Schande, Schande — sich in Weiberröcke zu kleiden! Und wie, schämen Sie sich nicht, Ludmilla Platonowna!“
Ludmilla — ganz überrumpelt — wurde im ersten Augenblick verlegen; aber sie faßte sich schnell. Fröhlich lachend umarmte sie die Kokowkina, setzte sie in einen Sessel und erzählte ihr eine rasch erfundene Geschichte:
„Wir haben zu Hause eine kleine Maskerade vor, — ich werde ein Junge sein, und er ein Mädchen, und das wird furchtbar lustig werden.“