Puterrot und erschreckt stand Sascha da, und die Tränen traten ihm in die Augen.
„Was für Dummheiten!“ sagte die Kokowkina ärgerlich, „er muß seine Aufgaben lernen und hat keine Zeit für Maskeraden. Was Sie sich ausdenken! Beliebe dich augenblicklich anzukleiden, Alexander, und marsch — nach Hause.“
Ludmilla lachte fröhlich und hell und umarmte die Kokowkina; die alte Frau dachte, daß das fröhliche Mädchen noch kindisch wie ein Backfisch wäre, und daß Sascha aus Dummheit froh wäre, allen ihren Launen gehorchen zu können. Ludmillas fröhliches Gelächter ließ die ganze Sache so kindisch und harmlos erscheinen, daß man darüber schlimmstenfalls etwas brummen durfte. Und sie schalt und machte ein böses und unzufriedenes Gesicht, — aber ihr Herz war schon wieder ganz ruhig.
Sascha kleidete sich schnell hinter dem Bettschirm um. Die Kokowkina ging mit ihm zusammen heim und schalt den Weg über auf ihn. Er schämte sich sehr, war erschrocken und sagte nichts zu seiner Rechtfertigung. Was wird es erst zu Hause geben? dachte er ängstlich.
Und zu Hause verfuhr die Kokowkina zum erstenmal mit aller Strenge: er mußte sich auf die Knie stellen. Aber schon nach fünf Minuten hatte sie Mitleid mit seinem kläglichen, schuldbewußten Gesicht und er durfte wieder aufstehen.
„So ein Geck! Auf eine Werst riecht man deine Parfums,“ sagte sie brummig.
Sascha machte einen geschickten Kratzfuß und küßte ihr die Hand; die Liebenswürdigkeit des bestraften Knaben rührte sie noch mehr.
Unterdessen drohte ein Unwetter über Sascha hereinzubrechen. Warwara und die Gruschina verfaßten einen anonymen Brief und schickten ihn an Chripatsch; sie behaupteten darin, der Gymnasiast Pjilnikoff wäre von Fräulein Rutiloff verführt worden; er brächte ganze Abende bei ihr zu und wäre dem Laster ergeben.
Der Direktor mußte an eine kurz vorher geführte Unterhaltung denken. Vor einigen Tagen hatte jemand auf einer Soirée beim Adelsmarschall die von niemand verstandene Bemerkung hingeworfen, eine junge Dame hätte sich in einen Halbwüchsling verliebt. Man hatte gleich wieder von anderen Dingen gesprochen: in Chripatschs Gegenwart hielt man es, nach dem stillschweigenden Einvernehmen wohlerzogener Leute, für außerordentlich peinlich, dieses Thema zu diskutieren, gab sich den Anschein, als wäre es unbequem, darüber in Gegenwart von Damen zu sprechen, und tat so, als wäre die Sache selber ganz unbedeutend und unglaubwürdig. Chripatsch merkte das natürlich; er war aber nicht so einfältig, um sich bei jemand zu erkundigen. Er war vollständig überzeugt, daß er bald alles erfahren würde, und daß auf diesem oder jenem Wege, immer aber noch rechtzeitig, eine Nachricht ihm zu Ohren kommen würde. Da kam dieser Brief, und das war die erwartete Nachricht.
Chripatsch glaubte keinen Augenblick an die Verderbtheit Pjilnikoffs, oder daß sein Verkehr mit Ludmilla irgendwie die Grenzen des Erlaubten überschritte.