„Ich bin unschuldig. Mag die Tante kommen. Ich fürchte mich nicht,“ sagte Sascha und weinte ebenfalls.

Am nächsten Tage ließ der Direktor Sascha zu sich kommen und fragte ihn kalt und streng:

„Ich wünsche zu wissen, mit wem Sie in der Stadt verkehren.“

Sascha blickte den Direktor verlegen, unschuldig und ruhig an.

„Mit wem ich verkehre?“ sagte er, „Olga Wassiljewna weiß es; ich besuche nur meine Kameraden und Rutiloffs.“

„Das ist es eben,“ setzte der Direktor sein Verhör fort, „was treiben Sie bei Rutiloffs?“

„Nichts Besonderes; nur so!“ antwortete Sascha unschuldig, „hauptsächlich lesen wir zusammen. Fräulein Rutiloffs lieben Gedichte sehr. Und ich bin immer um sieben Uhr zu Hause.“

„Vielleicht doch nicht immer?“ fragte Chripatsch und richtete auf Sascha einen Blick, den er durchdringend zu gestalten versuchte.

„Ja, einmal habe ich mich verspätet,“ sagte Sascha mit der ruhigen Offenheit eines harmlosen Knaben, „aber dafür bekam ich Schelte von Olga Wassiljewna; und dann bin ich nie wieder zu spät gekommen.“

Chripatsch mußte schweigen. Saschas ruhige Antworten verblüfften ihn. In jedem Fall mußte er ihn rügen, ihm einen Verweis erteilen, aber wie sollte er es tun und wofür? — ohne den Knaben auf böse Gedanken zu bringen, die er früher (Chripatsch glaubte das) nicht gehabt hatte, — ohne den Knaben zu kränken, — andererseits doch so, daß alles geschah, um die Unannehmlichkeiten zu vermeiden, die ihm in Zukunft aus diesem Verkehr erwachsen konnten.