Noch neulich hatte zu ihm der Ordinarius, — ein junger Mensch, der so liberal dachte, daß er es nicht über die Lippen brachte, einen Kater einfach Wassjka zu rufen, dafür aber: der Kater Basil sagte, — bedeutungsvoll beim Verteilen der Zensuren bemerkt:

„Sehen Sie zu, Pjilnikoff! Seien Sie mehr bei der Sache.“

„Ich habe keine einzige Zwei,“ hatte Sascha sorglos geantwortet.

Aber der Mut war ihm doch gesunken. Was würde er noch sagen? Nein, nichts, er schwieg, sah ihn nur streng an.

Am Tage des Festes schien es Sascha, daß er nicht den Mut finden würde, hinzugehen. Es war doch schrecklich.

Nur dieses ein, — das fertige Kostüm, das bei Rutiloffs lag, — sollte es wirklich umsonst genäht worden sein? All die Mühe und Arbeit, — sollte sie wirklich umsonst gewesen sein? Ludmilla würde weinen. Nein, man muß gehn.

Nur die in den letzten Wochen erworbene Fertigkeit, Dinge zu verheimlichen, machte es ihm möglich, der Kokowkina seine Aufregung zu verbergen. Zum Glück ging die Alte früh zu Bett. Auch Sascha legte sich früh nieder, — vorsichtshalber entkleidete er sich, legte seine Kleider auf einen Stuhl vor die Tür und stellte seine Stiefel daneben.

Nun blieb noch das Schwerste, — unbemerkt sich aus dem Staube zu machen. Der Weg durchs Fenster war ihm von früher her vertraut, als noch die Anproben stattfanden.

Er zog sich eine helle Sommerbluse an, — sie hing im Kleiderschrank in seinem Zimmer, — leichte Hausschuhe, und vorsichtig kletterte er durch Fenster auf die Straße, nachdem er einen günstigen Augenblick abgewartet hatte; weder Stimmen noch Schritte waren in der Nähe zu hören.

Ein feiner Regen fiel vom Himmel. Auf der Straße war es schmutzig, kalt und finster. Aber Sascha glaubte, alle Welt müßte ihn erkennen. Er warf Mütze und Schuhe wieder durchs Fenster in seine Stube, krempelte sich die Hosen auf und lief in Sprungschritten barfuß über die vom Regen glitschigen, morschen Brettersteige. In der Dunkelheit ist ein Gesicht schwer zu erkennen, besonders das eines Laufenden, und man wird ihn, wenn er jemand treffen sollte, für einen einfachen Jungen halten, den man in einen Laden geschickt hat.