„Wenn Sie es nicht verraten, wird es niemand erfahren,“ sagte Sascha versöhnlich-zärtlich.
„Auf mich kannst du dich verlassen. Ich bin stumm, wie ein Grab,“ antwortete der Schauspieler. „War selber ein Junge; habe auch dumme Streiche gemacht.“
In der Muße beruhigte man sich allmählich — aber ein neues Unglück setzte allem die Krone auf.
Während im Gang die Hetzjagd auf die Geisha stattfand, sprang das flammende, gespenstische Tierchen über die Kronleuchter, lachte und flüsterte Peredonoff eindringlich zu, er müsse ein Streichholz entzünden, müsse es — das flammende aber unfreie Tierchen — über die düstren, schmutzigen Wände laufen lassen, und dann, wenn es sich an der Zerstörung gesättigt, das Haus, in dem so fürchterliche und unverständliche Dinge vorgingen, aufgefressen hätte, — dann würde es ihn — Peredonoff — ganz in Ruhe lassen. Und Peredonoff konnte seiner zudringlichen Versuchung nicht widerstehen.
Er ging in den kleinen Salon, der neben dem Tanzsaal war. Kein Mensch war zu sehen. Peredonoff blickte sich um, zündete ein Streichholz an, hielt es tief an den untersten Rand eines Fenstervorhanges und wartete, bis der Vorhang in Flammen stand. Das flammende Tierchen kroch geschmeidig, wie eine Schlange, an dem Vorhang empor; es piepte leise und fröhlich. Peredonoff ging aus dem Salon und schloß die Tür hinter sich. Keiner hatte die Brandstiftung gesehen.
Erst von der Straße aus sah man das Feuer, als das ganze Zimmer schon in Flammen stand. Das Feuer machte rasche Fortschritte. Die Menschen konnten sich retten, — aber das Haus brannte nieder.
Am nächsten Tage sprach man in der ganzen Stadt von nichts anderm als vom Skandal mit der Geisha und vom Feuerschaden. Bengalskji hielt Wort und verriet nicht, daß die Geisha ein Knabe gewesen war.
Sascha lief noch in derselben Nacht, nachdem er sich bei Rutiloffs umgekleidet und sich wieder in einen einfachen, barfüßigen Jungen verwandelt hatte, nach Hause, kletterte durchs Fenster und schlief ruhig ein. In der Stadt, die nur vom Klatsch lebte, in der Stadt, in der man über jedermann alles in Erfahrung brachte, blieb Saschas nächtliches Abenteuer ein Geheimnis. Für lange Zeit; natürlich nicht für immer.