XXXI

Katharina Iwanowna Pjilnikowa, Saschas Tante und Erzieherin, erhielt gleichzeitig zwei Briefe über ihn, — vom Direktor den einen, von der Kokowkina den andern. Diese Briefe regten sie fürchterlich auf. Sie ließ alles liegen und fuhr sofort, trotz der im Herbst grundlosen Wege, von ihrem Gute in die Stadt.

Sascha war sehr froh, als sie kam, — er liebte sie. Die Tante hegte aber einen tiefen Groll gegen ihn. Er umarmte sie jedoch so selig, küßte ihr so froh die Hände, daß sie im ersten Augenblick nicht den nötigen strengen Ton finden konnte.

„Liebes Tantchen, wie ist es doch so gut, daß du gekommen bist!“ sagte Sascha und blickte ihr vergnügt in das volle, frische Gesicht, mit den so gutmütigen Grübchen in den Wangen, mit den geschäftig-strengen, braunen Augen.

„Warte nur mit deiner Freude; ich muß die Saiten straffer ziehen,“ sagte die Tante mit unbestimmbarer Stimme.

„Das macht nichts,“ sagte Sascha sorglos, „zieh sie straffer; wenn ich nur wüßte wofür; aber ich freue mich doch fürchterlich.“

„Fürchterlich?“ wiederholte die Tante unzufrieden, „über dich habe ich fürchterliche Dinge hören müssen.“

Sascha hob die Augen und blickte die Tante aus unschuldigen, erstaunten Augen an. Er klagte:

„Hier hat sich ein Lehrer Peredonoff ausgedacht, ich wäre ein Mädchen; er verfolgt mich damit; — außerdem hat mir der Direktor den Kopf gewaschen, weil ich mit Fräulein Rutiloffs verkehre. Als ginge ich hin, um zu stehlen. Was geht ihn das an?“