„Schreckliche Leute!“ wiederholte Valerie leise mit ihrer klangvollen, zerbrechlichen Stimme und schüttelte sich, als hätte sie etwas Unsauberes berührt.

„Fragen Sie ihn doch selber,“ sagte Darja, „sehen Sie ihn sich an: ist er nicht ein ganzes Kind! Vielleicht sind Sie an seine Einfalt zu sehr gewöhnt, aber wir — die ihm Fernstehenden sehen es, — er ist noch ein vollständig, vollständig unverdorbener Knabe.“

Die Schwestern logen so sicher und ruhig, daß es nicht möglich war, ihnen nicht zu glauben. Und wie hätte es anders sein können, — ist doch die Lüge sehr oft der Wahrheit ähnlicher als die Wahrheit. Fast immer. Die Wahrheit kann doch unmöglich der Wahrheit ähnlich sehen.

„Natürlich, es ist wahr, er ist zu häufig bei uns gewesen,“ sagte Darja. „Aber wenn Sie es wünschen, lassen wir ihn nicht mehr über die Schwelle.“

„Heute noch gehe ich zu Chripatsch,“ sagte Ludmilla. „Was fällt ihm ein! Unmöglich glaubt er selber an diesen Blödsinn.“

„Nein, er scheint nicht daran zu glauben,“ gestand Katharina Iwanowna, „er sagt nur, es wären verschiedene böse Gerüchte im Umlauf.“

„Sehen Sie! Sehen Sie!“ rief Ludmilla erfreut, „natürlich kann er nicht daran glauben. Wozu denn die ganze Aufregung?“

Ludmillas fröhliche Stimme umstrickte Katharina Iwanowna. Sie dachte:

Es ist doch wirklich nichts passiert. Sogar der Direktor sagt, er glaube das alles nicht.

Lange noch zwitscherten die Schwestern um die Wette, um Katharina Iwanowna zu überzeugen, daß ihr Verkehr mit Sascha ganz harmlos wäre. Zur größeren Bekräftigung begannen sie ganz ausführlich zu erzählen, was sie zusammen mit Sascha getrieben hatten, — bei dieser Aufzählung kamen sie bald in die Brüche, — es handelte sich doch um so harmlose, einfache Dinge, daß es unmöglich war, sich an alles und jedes zu erinnern. Schließlich war Katharina Iwanowna ganz fest davon überzeugt, daß ihr Sascha und die liebenswürdigen jungen Mädchen unverschuldet einem dummen Klatsch zum Opfer gefallen waren.