Als Katharina Iwanowna sich verabschiedete, küßte sie alle drei Schwestern und sagte:

„Sie sind liebe, schlichte Mädchen. Anfangs dachte ich, — verzeihen Sie das grobe Wort, — Sie wären freche, zänkische Personen.“

Die Schwestern lachten fröhlich:

„Nein,“ sagte Ludmilla, „wir sind nur lustig und haben spitze Zungen; darum lieben uns hier manche Gänse nicht.“

Die Tante sagte zu Sascha kein Wort, als sie von Rutiloffs zurückkehrte. Er kam ihr ängstlich und verstört entgegen und blickte sie vorsichtig und aufmerksam an. Die Tante ging zur Kokowkina. Lange redeten sie, endlich beschloß die Tante:

„Ich gehe noch einmal zum Direktor.“

Noch am selben Tage ging Ludmilla zu Chripatsch. Erst plauderte sie im Salon ein wenig mit Warwara Nikolajewna, dann erklärte, sie, sie hätte ein Anliegen an Nikolaij Wassiljewitsch.

In Chripatschs Schreibzimmer wurde ein lebhaftes Gespräch geführt, — nicht darum eigentlich, weil die beiden einander viel zu sagen hatten, sondern weil beide zu sprechen liebten. Sie überschütteten einander mit schnell hingeworfenen Sätzen: Chripatsch mit seiner trocknen, knarrenden Schnellrednerei, Ludmilla mit ihrem zärtlich klingenden Geflüster. Fließend, mit der unwiderlegbaren Sicherheit einer Lüge, ergoß sich über Chripatsch ihre zur Hälfte erfundene Erzählung über ihr Verhältnis zu Sascha Pjilnikoff. Was sie hauptsächlich dazu getrieben hätte, wäre natürlich ihr Mitleid zu dem Knaben, den man mit so groben Verdächtigungen beleidigte, ihr Wunsch, Sascha die abwesende Familie zu ersetzen, — und, schließlich, er wäre so ein prächtiger, lustiger, einfältiger Junge.

Ludmilla weinte sogar; schnell und wunderbar reizend kullerten die kleinen Tränchen über die frischen Wangen, auf die verlegen lächelnden Lippen.

„Wirklich, ich habe ihn lieb gewonnen wie einen Bruder. Er ist so prächtig und gut; er weiß Güte so sehr zu schätzen; er hat mir die Hände geküßt.“