Warwara konnte nicht weit gehen wegen ihrer zu engen Schuhe mit den hohen Absätzen. Sie wurde rasch müde. Daher benutzte sie gewöhnlich eine Droschke, obwohl die Entfernungen in unserer Stadt nur geringe waren. In letzter Zeit war sie besonders häufig bei der Gruschina gewesen. Das hatten die Droschkenkutscher schon gemerkt: ihrer gab es nicht viele, vielleicht an die zwanzig. Wenn Warwara einstieg, fragten sie garnicht mehr, wohin sie fahren sollten.
Sie setzten sich in den Wagen und fuhren zu den Herrschaften, bei denen Klawdija diente, um sich nach ihr zu erkundigen. Die Straßen waren fast durchweg mit Schmutz bedeckt, obwohl es schon gestern abend aufgehört hatte zu regnen. Nur selten ratterte die Droschke über kurze, gepflasterte Straßen, dann versanken die Räder wieder im zähen Schmutz grundloser Wege. Umso mehr zitterte ununterbrochen Warwaras Stimme, begleitet vom teilnehmenden Geschwätz der Gruschina.
„Mein Gänserich war schon wieder bei Marfuschka,[3]“ erzählte Warwara.
In teilnehmender Empörung antwortete die Gruschina:
„Sie suchen ihn einzufangen. Will es gerne glauben. Das wäre just ein Ehemann für dieses Mädel, die Marfuschka. So einen kann sie sich im Traume wünschen.“
„Ich weiß wirklich nicht, was ich anfangen soll,“ klagte Warwara, „er ist jetzt so widerhaarig, — gar nicht zu sagen wie. Glauben Sie, es wirbelt mir im Kopf. Fällt es ihm ein, zu heiraten, dann kann ich auf die Straße gehen.“
„Nicht doch, liebste Warwara Dmitriewna,“ beruhigte die Gruschina, „glauben Sie das nicht. Nie wird er eine andere heiraten als Sie. Er hat sich doch an Sie gewöhnt.“
„Manchmal geht er in der Nacht aus, dann kann ich nicht einschlafen,“ erzählte Warwara, „Gott weiß, vielleicht läßt er sich irgendwo trauen. Manchmal sorge ich mich die ganze Nacht. Alle haben es auf ihn abgesehen — die drei Rutiloffschen Stuten, — sie hängen sich ja an jeden, — und Jenkja mit der gedunsenen Fratze.“
Noch lange klagte Warwara, und aus ihrem ganzen Gespräch ersah die Gruschina, daß sie eine besondere Bitte auf dem Herzen hatte, und schon im voraus freute sie sich auf eine neue Einnahme.
Klawdija gefiel. Die Frau des Akzisebeamten hatte sie gelobt. So wurde sie denn engagiert und man sagte ihr, sie hätte noch am selben Abend zu erscheinen, da der Akzisebeamte schon heute abreisen mußte.