Endlich langten sie bei der Gruschina an. Sie lebte in ihrem eigenen Häuschen, ziemlich unordentlich, zusammen mit ihren drei kleinen Göhren. Die waren zerzaust, dreckig, dumm und bösartig wie begossene Welpen. Die eigentliche Aussprache folgte erst jetzt.

Warwara begann zu erzählen: „Mein Ardalljoschka, der Dummkopf, verlangt, ich soll wieder an die Fürstin schreiben. Was soll ich ihr denn so mir nichts dir nichts schreiben; entweder wird sie überhaupt nicht antworten, oder etwas antworten, was nicht in meinen Kram paßt. Die Freundschaft ist nicht von weitem her.“

Die Fürstin Woltschanskaja, — Warwara hatte gelegentlich als Schneiderin für einfachere Arbeit bei ihr gearbeitet, — hätte Peredonoff allerdings nützlich sein können: ihre Tochter war nämlich an den Geheimen Rat Tschtepkin verheiratet, ein Mann, der im Schulressort viel zu bedeuten hatte. Schon im vorigen Jahre hatte sie an Warwara als Antwort auf ihre Bitten geschrieben, daß sie für Warwaras „Bräutigam“ ein gutes Wort einzulegen nicht gewillt wäre; anders verhielte es sich, wenn sie heiraten würde, dann könnte sie vielleicht gelegentlich ein Wörtchen zu seinen Gunsten fallen lassen. Peredonoff hatte jener Brief nicht befriedigt: damit war eigentlich nur eine unbestimmte Hoffnung gegeben, es war aber nicht direkt gesagt, daß die Fürstin ganz unbedingt Warwaras Manne den Posten eines Inspektors verschaffen würde. Um diese Ungewißheit zu klären, waren sie kürzlich nach St. Petersburg gefahren. Warwara hatte die Fürstin aufgesucht und dann führte sie auch Peredonoff hin, hatte aber diesen Besuch mit Absicht so lange hinausgeschoben, bis sie die Fürstin nicht mehr zu Hause trafen: Warwara begriff, daß sich die Fürstin im besten Fall auf den Rat beschränken würde, sie möchten so bald als möglich heiraten, vielleicht noch einige unbestimmte Versprechungen hinzufügen würde, daß sie bei Gelegenheit ein gutes Wort einlegen wolle, kurz — Versprechungen, die Peredonoff keineswegs genügen konnten. So beschloß denn Warwara, Peredonoff die Fürstin nicht zu zeigen.

„Ich verlasse mich felsenfest auf Sie,“ sagte Warwara, „helfen Sie mir, teuerste Marja Ossipowna.“

„Wie soll ich Ihnen denn helfen, liebes Herz?“ fragte die Gruschina, „Sie wissen doch, Warwara Dmitriewna, daß ich für Sie bereit bin, alles zu tun, was in meiner Kraft liegt. Soll ich Ihnen vielleicht wahrsagen?“

„Ich weiß doch, was an Ihrer Wahrsagerei dran ist,“ sagte Warwara lachend, „nein, ganz anders müssen Sie mir helfen.“

„Wie denn?“ fragte in freudig-reger Erwartung die Gruschina.

„Ganz einfach,“ sagte schmunzelnd Warwara, „schreiben Sie einen Brief an mich, als käme er von der Fürstin. Fälschen Sie ihre Handschrift; ich werde ihn dann Ardalljon Borisowitsch zeigen.“

„Aber was denken Sie nur, Teuerste! Das geht doch nicht,“ beteuerte die Gruschina und stellte sich empört, „wenn die Geschichte herauskommt, was soll dann aus mir werden?“

Warwara ließ sich durch diese Antwort keineswegs aus der Fassung bringen, zog einen verknüllten Brief aus der Tasche und sagte: