Warwara zuckte zusammen.

„Was schreist du so,“ sagte sie und legte das Messer beiseite. „Wissen Sie, er sieht immer Gespenster,“ erklärte sie dem schweigsamen Prepolowenskji. Der strich sich den Bart und machte Miene, etwas zu sagen.

„Das kommt vor“, begann er mit traurig-weicher Stimme, „ich hatte einen Bekannten, der fürchtete sich vor Nadeln. Ihn plagte die Angst, jemand würde ihn stechen und die Nadel würde in seine Eingeweide dringen. Und stellen Sie sich vor, jedesmal wenn er eine Nadel sah, zitterte er ...“

Hatte er einmal angefangen zu reden, so hörte er nicht auf und erzählte immer wieder dasselbe mit kleinen Aenderungen, bis ihn jemand unterbrach, um auf ein anderes Thema zu kommen. Alsdann hüllte er sich wieder in tiefes Schweigen.

Die Gruschina gab dem Gespräch eine Wendung ins Zotige. Sie erzählte von der Eifersucht ihres verstorbenen Mannes, und wie sie ihn hintergangen hätte. Dann berichtete sie von einem Klatsch über irgendeine hochstehende Persönlichkeit und seine Maitresse. Diese hätte einmal auf der Straße ihren Liebhaber getroffen. Ganz laut ruft sie ihm zu: Guten Tag, Jeannot! — Das auf offener Straße! — erzählte sie.

„Ich werde gegen Sie Anzeige erstatten“, sagte Peredonoff ärgerlich, „wie darf man sich unterstehen, über Leute von Rang solche Geschichten zu verbreiten!“

Die Gruschina murmelte erschreckt:

„Ich kann nichts dafür, man hat es mir so erzählt. Ich erzähle es nur weiter.“

Peredonoff schwieg erbost, stützte die Ellenbogen auf den Tisch und trank seinen Tee aus der Untertasse. Er dachte bei sich, daß es im Hause eines künftigen Inspektors nicht statthaft wäre, unehrerbietig über hohe Beamte zu reden. Er ärgerte sich über die Gruschina. Auch Wolodin kam ihm verdächtig vor: merkwürdig oft nannte er ihn Herr Inspektor in spe. Einmal hatte ihm Peredonoff schon gesagt:

„Du beneidest mich wohl, mein Bester! Du wirst es nicht zum Inspektor bringen, ich wohl.“