„Warum sollte ich mich besaufen?“ entgegnete Wolodin gekränkt. „Milch ist ein vorzügliches Nahrungsmittel. Außerdem hatte ich mich daran gewöhnt, jeden Abend drei Glas zu trinken. Plötzlich werden mir nur zwei Glas gebracht. Warum denn so? frage ich. Die Magd antwortet: Anna Michailowna — sagte sie — läßt vielmals um Entschuldigung bitten, aber ihre Kuh — sagt sie — gäbe jetzt weniger Milch. Was geht mich das an! Ich halte mich an meinen Kontrakt. Gesetzt den Fall, ihre Kuh gibt überhaupt keine Milch mehr, soll ich dann ohne bleiben? Nun, sage ich, wenn keine Milch da ist, so sagen Sie Anna Michailowna, daß ich um ein Glas Wasser bitte. Ich habe mich gewöhnt, drei Glas zu trinken, zwei Glas sind mir zu wenig.“
„Pawluschka ist ein Held,“ sagte Peredonoff, „erzähl’ doch deine Geschichte mit dem General.“
Wolodin kam dieser Aufforderung bereitwillig nach. Allein diesmal wurde er ausgelacht. Gekränkt streckte er seine Unterlippe vor.
Während des Abendessens betranken sich alle vollständig, sogar die Frauen.
Wolodin machte den Vorschlag, die Tapeten noch ein wenig zu bearbeiten. Alle freuten sich: unverzüglich ließen sie das Essen stehen, machten sich an die Arbeit und amüsierten sich wie die Tollen. Die Tapeten wurden bespuckt, mit Bierresten begossen, man warf Papierpfeile, deren Spitzen mit Butter beschmiert waren, an die Wände, man schleuderte kleine Teufelchen, die aus gekautem Brot geknetet wurden, an die Lage. Dann beschloß man, auf gut Glück Fetzen aus der Tapete zu reißen — wer die längsten Streifen zog, gewann. Bei diesem Spiel gewannen die Prepolowenskjis anderthalb Rubel.
Wolodin verlor. Infolgedessen und auch wohl infolge seiner Betrunkenheit wurde er plötzlich wehmütig und klagte seine Mutter an. Er machte ein vorwurfsvolles Gesicht und sprach, aus irgend einem Grunde mit der Faust zur Erde weisend:
„Warum hat sie mich geboren? Was hat sie sich dabei gedacht? Was hab ich doch für ein elendes Leben! Sie ist nicht meine Mutter, sie hat mich nur in die Welt gesetzt. Denn eine echte Mutter sorgt für ihr Kind, meine Mutter hat mich zur Welt gebracht und noch im zartesten Alter in Kronsinstitute gesteckt.“
„Dafür haben Sie etwas gelernt und Sie können sich unter Menschen sehen lassen,“ sagte die Prepolowenskaja.
Wolodin senkte seine Stirn, wackelte mit dem Kopfe und sagte:
„Nein, nein, was ist an meinem Leben dran, — es ist ein Hundeleben. Warum hat sie mich geboren? Was hat sie sich dabei gedacht?“