Schweigend vertiefte er sich in die Arbeiten seines Sohnes, die nun die Mutter mit Fingern, die zuweilen nervös zitterten, vor ihn hinlegte. Kohle- und Rötelzeichnungen,

dann ausgeführtere Aquarelle, auch einige Versuche in Öl. Landschaftsstudien, ein einzelner Baumstamm mit ein paar Blumen darunter, ein Stückchen Ährenfeld, ein toter Vogel. Eine ganze Reihe von Versuchen, seiner Mutter Gesicht zu fassen, Studien nach ihrer Hand. Skizzen von abziehenden Soldaten, von Pferden und Munitionswagen, von Fliegern und Flugzeugen, wie er sie in Johannisthal beobachtet haben mochte. Auch reine Bewegungsstudien, nur in ein paar Linien für das Gedächtnis festgehalten.

»Doll – ganz doll,« murmelte Rolfers ein paarmal. »Was der Kerl riskiert – eine unverschämte Keckheit –« Er schüttelte den Kopf, hielt ein Blatt lange vor sich hin. »Wieder mal recht kindlich – Dieses hier ist mißlungen, – das auch, – das – – nee, wahrhaftig, er fängt die Geschichte nochmals an ... Armer Kerl, der mag sich innerlich gebost haben. – – Dies ist nun geradezu unglaublich –!

Dieser Sinn für Raumverteilung – Köstlich – jetzt kommen wohl die Schulzeichnungen? So ’n ganz andres Kaliber! Na ja – hier schludert er richtig und macht so was für den Lehrer zurecht. Ia. Selbstverständlich! Schweinerei!«

Rolfers nahm einen Bleistift und zeichnete mühsam mit der Linken eine »4b« neben die Schulnote.

»Meinst du nicht auch, daß er Talent hat?« fragte Martha zaghaft.

Er hob den Kopf, sah sie mit einem seiner scharfen Blicke an.

»Talent – Talent hat heut jeder Lausejunge – fragt sich, ob er den Charakter hat, ein Könner zu werden!«

Rolfers zog zwei Blätter aus den übrigen hervor.

»Donnerwetter – was ist denn hier – freie Phantasien ...« Mit den Seitenstreifen